Unser erster Abschnitt auf dem 1.000 Kilometer langen Bibbulmun Track führt von Albany bis Denmark. Auf dieser 85 Kilometer langen Strecke verläuft der Weg entlang der Südküste West-Australiens bis zum Wilson Inlet, einem saisonal vom Meer abgetrennten Meeresarm.

Die meisten Wanderer laufen den Bibbulmun Track im australischen Frühjahr (September bis November) bei voller Blütenpracht von Nord nach Süd. Im australischen Herbst (März bis Mai) entscheiden sich allerdings viele End-to-Ender für die umgekehrte Richtung. Als End-to-Ender werden hier übrigens Wanderer bezeichnet, die den Weg komplett durchlaufen.

Bibbulmun Track: Der Southern Terminus des Bibbulmun Track in Albany

Der Southern Terminus des Bibbulmun Track in Albany

Nach unserem Trekking auf dem Cape to Cape Track starten auch wir im April 2017 vom südlichen Bibbulmun Track Terminus in Albany auf die rund 1.000 Kilometer lange Wanderung bis Kalamunda bei Perth.

Nach einer 10-Stunden-Busfahrt von Augusta über Bunbury bis Albany stocken wir in der 30.000-Einwohner-Stadt spät abends noch einmal unsere Lebensmittelvorräte auf. Merkwürdig: Einige Kunden laufen bereits mit Schlafanzug und Bademantel durch den IGA-Supermarkt.

Von Albany bis Denmark wandern

Die ersten drei Tage können wir es recht gemütlich angehen lassen, denn am Anfang und Ende des Bibbulmun Track liegen die Schutzhütten sehr nah beieinander, damit sich Wanderer erst einmal etwas einlaufen können. Vom südlichen Terminus am Albany Visitor Centre bis zur Sandpatch Campsite sind es gerade einmal gut 12 Kilometer.

Bibbulmun Track: White Faced Heron im Princess Royal Harbour bei Albany

White Faced Heron im Princess Royal Harbour bei Albany

Aus einem Double-Hutting, also dem Durchmarsch bis zur übernächsten Schutzhütte, wird aber trotzdem nichts, denn wir müssen erst einmal ein neues Smartphone-Ladegerät kaufen, da unseres nach einem Stromausfall in Augusta nicht mehr funktioniert.

Kurz vor zehn verlassen wir schließlich unser Hostel, das Six Degrees, und holen uns im gegenüber liegenden Visitor Centre noch die letzten Tipps für unsere Wanderung. Eine der Mitarbeiterinnen macht schließlich noch – im Dauer-Nieselregen – das obligatorische Foto von uns beiden am südlichen Terminus des Bibbulmun Track und dann geht es auch schon los.

Bibbulmun Track: Der Sandpatch Shelter 12 Kilometer hinter Albany

Der Sandpatch Shelter 12 Kilometer hinter Albany

Vom Visitor Centre in Albany aus führt uns der Bibbulmun Track zunächst aus der Stadt heraus. Entlang des Princess Royal Harbour sehen wir neben dem Weg zahlreiche Seevögel wie Pelikane, Kormorane oder Reiher. Über einen Hügel geht es dann schließlich zum relativ neuen Sandpatch Shelter kurz vor dem Albany Windpark. Außer uns übernachten hier heute noch Andrew und Marylin, ein Rentner-Pärchen aus Perth, und Kerstin, die den Bibbulmun Track ebenfalls End-to-End laufen will.

Bibbulmun Track: Blick vom Sandpatch Shelter auf den Albany Windpark

Blick vom Sandpatch Shelter auf den Albany Windpark

Über die Sandbank am Torbay Inlet

Auch am zweiten Wandertag steht auf dem 12 Kilometer langen Weg von der Sandpatch Campsite zur Muttonbird Campsite eine recht kurze Tagesetappe an. Der Bibbulmun Track führt uns zunächst am Albany-Windpark vorbei, dessen Windkraftanlagen rund 80 Prozent des Strombedarfs von Albany produzieren.

Bibbulmun Track: Die Blüte einer Holly Leaved Banksia

Die Blüte einer Holly Leaved Banksia

Hoch über der Küste geht es weiter, bis wir gegen zwölf Uhr bereits den Muttonbird-Shelter erreichen. Kurz überlegen wir noch, ob wir nicht heute ein Double-Hutting machen. Doch da wir Susis schmerzendes Knie bereits bandagiert haben und bis zum nächsten Shelter auch noch 7,5 Kilometer Sandstrand auf den Programm stehen, verwerfen wir die Idee dann doch wieder.

Bibbulmun Track: Western Grey Kangaroo am Bibbulmun Track

Western Grey Kangaroo am Bibbulmun Track

Kurz nach dem Start am nächsten Morgen sehen wir nahe der Muttonbird Campsite endlich mal wieder ein paar Kängurus. Auf halbem Weg der rund 12 Kilometer langen Strecke bis zur Torbay Campsite gelangen wir zum ersten Inlet.

Den Meeresarm des Torbay Inlets können Wanderer unter Berücksichtigung der Gezeiten meist über eine Sandbank im knöchelhohen Wasser queren. Im australischen Winter und Frühjahr ist diese Passage allerdings ab und an zu gefährlich und dann müssen Wanderer auf dem Bibbulmun Track einen gut 19 Kilometer langen Umweg über Elleker in Kauf nehmen.

Bibbulmun Track: Auf der Sandbank am Torbay Inlet

Auf der Sandbank am Torbay Inlet

Wir haben im australischen Herbst gar keine Probleme am Torbay Inlet und gelangen sogar trockenen Fußes über die breite und geschlossene Sandbank. Nach einer kleinen Kletterpartie über Klippen und insgesamt gut sieben Kilometern durch den Sand geht es am Rastplatz bei Cosy Corner über diverse Holzstufen wieder weiter hinauf und weg vom Meer. Zwei Kilometer später ist gegen Mittag schließlich die Torbay Campsite erreicht.

Bibbulmun Track: Strandpartie mit Klippen-Kletterei am dritten Tag

Strandpartie mit Klippen-Kletterei am dritten Tag

Turbo, der kleine Shelter-Bandicoot

Am Shelter erwartet uns schon ganz ungeduldig ein Quenda. Der kleine Nasenbeutler scheint eine Art Hütten-Maskottchen zu sein, schaut alle paar Minuten nach dem Rechten und wurde von anderen Wanderern laut Hütten-Logbuch „Turbo“ getauft.

Bibbulmun Track: Dieser kleine Bandicoot (Quenda) ist das Hütten-Maskottchen am Torbay Shelter

Dieser kleine Bandicoot (Quenda) ist das Hütten-Maskottchen am Torbay Shelter

Von der Torbay Campsite sind es etwas mehr als 16 Kilometer bis zur West Cape Howe Campsite. Der Weg verläuft überwiegend hoch über dem Meer in einem ständigen Auf und Ab durch den Cape West Howe Nationalpark. Immerhin kommen dabei insgesamt gut 400 Höhenmeter zusammen.

Über ein Teilstück des Wegs fegte im März 2016 ein Buschfeuer hinweg, doch aus den schwarzen Stämmen sprießt bereits wieder frisches Grűn und da das Buschwerk noch nicht all zu hoch ist, sehen wir heute auch das ein oder andere Känguru.

Bibbulmun Track: New Holland Honeyeater

New Holland Honeyeater

Susi entdeckt bei einer Pinkel-Pause sogar ihre erste Schlange auf dem Bibbulmun Track. Wir sehen zwar nur den Kopf des gefährlich dreinblickenden Reptils, machen aber schnell ein Beweisfoto. Anhand des Fotos stellen wir dann im Shelter fest, dass es sich nicht um eine der vielen giftigen Schlangen, sondern lediglich um einen harmlosen Lizard handelte.

Bibbulmun Track: Blick auf das steil abfallende West Cape Howe

Blick auf das steil abfallende West Cape Howe

Motorbike-Frogs im Dauerregen

In der Nacht ist ein kräftiger Gewittersturm über unseren Shelter hinweggefegt und am frühen Morgen fallen noch immer die letzten Tropfen Regen. Zwischen der West Cape Howe Campsite und der Nullaki Campsite liegen heute knapp 17 Kilometer Bibbulmun Track vor uns. Wir wollen uns dort mit Andrew und Marylin treffen und uns dann ein Taxi nach Denmark teilen.

Der Weg ist heute deutlich leichter und wir kommen ganz gut voran. Doch 2,5 Kilometer vor der Nullaki Campsite erwischt uns dann doch wieder der Regen. Gegen Mittag kommen wir schließlich tropfnass am Shelter an und kochen uns erst einmal eine warme asiatische Nudelsuppe. Nachdem auch Andrew und Marylin eingetroffen sind, laufen wir weiter zum Taxi-Treff.

Bibbulmun Track: Der Motorbike Frog klingt wie ein Motorrad mit Gangschaltung

Der Motorbike Frog klingt wie ein Motorrad mit Gangschaltung

Wenige Kilometer hinter der Nullaki Campsite erreicht man das 48 km² große Wilson Inlet. Der abgetrennte Meeresarm ist während eines halben Jahres durch eine Sandbank vom Indischen Ozean abgetrennt. Wanderern wird allerdings nicht empfohlen über die Sandbank nach Denmark zu laufen, sondern stattdessen einen Boots-/Shuttle-Service zu bestellen oder das Inlet auf rund 25 Kilometern entgegen dem Uhrzeigersinn zu umgehen.

Bibbulmun Track: Wenige Kilometer vor dem Nullaki Shelter

Wenige Kilometer vor dem Nullaki Shelter

Wir haben das Glück, dass Andrew und Marylin nicht nur ihr Taxi mit uns teilen, sondern uns auch noch in ihr Ferienhaus in Denmark einladen. Dort können wir erst einmal ausgiebig duschen und unsere Sachen trocknen, bevor es auf dem Bibbulmun Track Richtung Walpole weitergeht.

Denmark ist mit rund 2.300 Einwohnern übrigens schon einer der größeren Orte entlang des Bibbulmun Track und in der alten Polizeistation des Ortes gibt es sogar ein historisches Museum zu besichtigen. Das Denmark Historical Museum hat allerdings nur an drei Tagen der Woche geöffnet und dann auch meist nur für zwei Stunden am frühen Nachmittag. Im strömenden Regen nutzen wir den kurzen Bummel durch die Stadt dann doch nur, um im örtlichen Supermarkt unsere Lebensmittelvorräte aufzustocken.

Bibbulmun Track: Wegweiser am Bibbulmun Track

Wegweiser am Bibbulmun Track

Shelter auf dem Bibbulmun Track

Im Abstand von rund 20 Kilometern hat die Bibbulmun Track Foundation Schutzhütten (engl. „Shelter“) entlang des Wanderwegs errichtet. Diese Hütten sind meist zu einer Seite hin offen und bieten 12 bis 15 Personen Platz. Zusätzliche Ausstattung: Tische, Sitzgelegenheiten, Plumpsklo, Feuerstelle, Regenwassertanks und Zeltplätze. Auf dem Abschnitt zwischen Albany und Denmark stehen folgende Shelter und Campgrounds zur Verfügung:

NameGPS-Daten
Sandpatch Campsite35°04’25.9″S 117°49’08.4″E
Muttonbird Campsite35°02’34.6″S 117°43’30.7″E
Torbay Campsite35°04’44.8″S 117°38’48.2″E
West Cape Howe Campsite35°04’58.0″S 117°33’27.1″E
Nullaki Campsite35°02’20.9″S 117°27’18.2″E

alle Angaben ohne Gewähr

Anreise zum Bibbulmun Track

Von Deutschland aus erfolgt die Anreise zum Bibbulmun Track meist über den internationalen Flughafen Perth (PER). Nonstop-Flüge sind auf dieser Linie nicht verfügbar, allerdings soll die australische Fluggesellschaft Qantas Airways eine direkte Verbindung von Frankfurt aus planen. Wer den Bibbulmun Track in Süd-Nord-Richtung laufen möchte, der kann von Perth (PER) aus direkt nach Albany (ALH) weiterfliegen (1:10 Stunden Flugzeit).

Für den Wegabschnitt zwischen Albany und Denmark erreicht man den Startort von Perth aus mit Bus und Bahn am schnellsten mit dem TransWA-Bus (Linie GS1) ab Armadale (ca. 5:15 Stunden). Armadale liegt rund 30 Kilometer südöstlich von Perth und ist mit dem Transperth-Zug in einer guten halben Stunde erreicht. Vom Zielort Denmark fährt ein TransWA-Bus (Linie GS3) in etwas mehr als fünf Stunden bis Bunburry und von dort gelangt man per Bahn nach Perth (Australind-Linie, ca. 2:30 Stunden).

Buchtipp

Guidebook 8 – Denmark / AlbanyThe Bibbulmun Track Guidebook 8 - Denmark / Albany
von Steve Sertis und Steve Clark
(ISBN 978-0-0750767-9-8)

Über die Website der Bibbulmun Track Foundation sind das Bibbulmun Track Handbook sowie acht Guidebooks zu verschiedenen Abschnitten des Wanderwegs erhältlich. Das Bibbulmun Track Handbook liefert generelle Informationen zum Wanderweg sowie zur Planung und Sicherheit. Das Guidebook 8 (William Bay Campsite bis Albany Southern Terminus) beschreibt hingegen den kompletten Abschnitt zwischen Denmark und Albany en detail. Die listenartigen Track Notes umfassen dabei wichtige Wegdetails mit Kilometerangaben und sind sowohl für Wanderungen in Nord-Süd- als auch in umgekehrter Richtung verfügbar. Wer bei der Navigation auf Papierkarten setzt, der erhält über die Bibbulmun Track Foundation zudem topographische Karten im Maßstab 1:50 000.

Weitere Beiträge zum Bibbulmun Track

Linktipp

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