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Bibbulmun Track – Von Balingup bis Collie

Von Balingup sind es nur vier Tagesetappen mit insgesamt 82 Kilometern bis nach Collie, der mit Abstand größten Stadt am Bibbulmun Track. Entlang des Wanderwegs liegen der Preston Nationalpark, schöne Jarrah- & Marri-Wälder sowie eine kleine Taverne.

Unseren freien Tag in Balingup haben wir für unsere Blog-Updates und ein wenig Internet-Recherche genutzt. Während wir kurz vor Balingup den Gewittersturm am Blackwood Shelter genießen durften, hat es nördlich von Collie offenbar recht heftig geregnet. Selbst die Nachrichten berichteten über das Tief und auf Facebook waren Bilder vom Bibbulmun Track zu sehen, die ein Durchwaten des Murray River unterhalb der zerstörten Long Gully Bridge derzeit unmöglich erscheinen lassen.

Bibbulmun Track: Pilz am Bibbulmun Track

Pilz am Bibbulmun Track

Auch ein Check auf der Website der Bibbulmun Track Foundation verheißt wenig Gutes. Aufgrund von „Prescribed Burns“ werden wir ab Collie wohl die ein oder andere Umleitung nehmen und ab und an auch mal im Zelt schlafen müssen, da manche Shelter während der kontrollierten Waldbrände von der Forstverwaltung geschlossen werden. Kurz vor dem nördlichen Terminus in Kalamunda sind derzeit wohl sogar größere Wegabschnitte und vier aufeinander folgende Schutzhütten gesperrt.

Bibbulmun Track: Auf dem Weg zum Grimwade Shelter

Auf dem Weg zum Grimwade Shelter

Von Balingup bis Collie wandern

Auf dem Weg nach Collie haben wir bis auf eine rund einen Kilometer lange Umleitung aber noch keine Probleme mit Wegsperrungen. Am ersten Tag des Streckenabschnitts zwischen Balingup und Collie geht es aus dem Balingup Brook Valley heraus bis zur 23 Kilometer entfernten Grimwade Campsite. Nach rund vier Kilometern gelangen wir wieder in den Wald, der hier aber deutlich spärlicher ist und zum Großteil aus kleineren Wandoo-Bäumen (Eucalyptus wandoo) besteht.

Bibbulmun Track: Stamm eines verbrannten Grasbaums

Stamm eines verbrannten Grasbaums

Auf dem weiteren Weg wechselt der Bewuchs wieder und wir laufen nun überwiegend durch niedrigere und lichtere Jarrah– oder Marri-Wälder. Ab und an sehen wir ein paar Kängurus davon springen und knapp drei Kilometer hinter der Balingup-Grimwade Road schießen plötzlich zwei Füchse aus dem Gebüsch. Die beiden hetzen schnurstracks auf uns zu, drehen fünf Meter vor uns ab und sind dann ebenso schnell verschwunden wie sie auftauchten.

Die eingeschleppten Füchse sind hier übrigens gar nicht gern gesehen, denn sie bedrohen diverse einheimische Tierarten. Die Forstverwaltung verteilt deshalb in gewissen Regionen auch regelmäßig mit 1080-Gift versetzte, salami-ähnliche Fleischhappen. Das 1080-Gift ist in den west-australischen Pflanzen der Gattung Gastrolobium enthalten und für einheimische Tierarten unbedenklich – für den europäischen Rotfuchs und verwilderte Katzen ist es allerdings tödlich.

Bibbulmun Track: Zwischen Balingup und dem Grimwade Shelter

Zwischen Balingup und dem Grimwade Shelter

Auf dem weiteren Weg zur Grimwade Campsite, sehen wir auch noch jede Menge Banks-Rabenkakadus (Forrest Red-tailed Black Cockatoo). In Scharen sitzen die großen schwarzen Kakadus mit den roten Schwanzfedern in den Spitzen der Bäume, schmusen miteinander, werfen Eukalyptus-Früchte herab und schimpfen natürlich auf die wandernden Eindringlinge weit unter ihnen.

Durch den Preston National Park

Am nächsten Tag wandern wir von der Grimwade Campsite zur 23 Kilometer entfernten Noggerup Campsite. Kurz hinter dem Shelter sehen wir noch einmal drei wilde Emus – auch diesmal nur von hinten und schnell flüchtend. Auf den folgenden Kilometern kommen wir an stattlichen Yarri-Bäumen (Eucalyptus patens) vorbei, eine der vielen australischen Eucalyptus-Arten, die wir so langsam kaum noch auseinander halten können.

Bibbulmun Track: Schwarzer Banks-Rabenkakadu

Schwarzer Banks-Rabenkakadu

Nach der Hälfte unserer Tagesetappe erreichen wir den Preston Nationalpark, in dessen Busch sowohl das Westliche Bürstenschwanz-Rattenkänguru (Bettongia penicillata ogilbyi), das hier als Woylie bezeichnet wird, als auch das kaninchengroße Tammar-Wallaby (Macropus eugenii) anzutreffen sind. Wir treffen auf unserer Wanderung zwar auf keines dieser Tiere, sehen aber auch heute jede Menge Kängurus und Rabenkakadus.

Bibbulmun Track: Blick ins Preston River Valley

Blick ins Preston River Valley

Auf den letzten Kilometern bis zur Noggerup Campsite verläuft der Bibbulmun Track zum Großteil entlang einer alten Bahnstrecke, von der aber nur noch wenig zu sehen ist. Kurz nach zwei Uhr erreichen wir schließlich den Shelter – just in time, denn gleichzeitig fängt es zu regnen an.

Der einzige Pub am Wanderweg

Den nächsten Zwischenstopp wollen wir an der 20 Kilometer entfernten Yabberup Campsite einlegen. Nach rund sechs Kilometern durch Jarrah- oder Marri-Wälder verlassen wir den Preston Nationalpark und gelangen an die Donnybrook-Boyup Brook Road mit einer skurrilen Briefkasten-Reihe aus ausgedienten Mikrowellengeräten. Wir biegen nach rechts ab und wandern in östlicher Richtung auf einer alten Bahnstrecke weiter, die parallel zur Straße verläuft.

Bibbulmun Track: Briefkästen aus alten Mikrowellen-Geräten

Briefkästen aus alten Mikrowellen-Geräten

Neben einer für hiesige Verhältnisse recht viel befahrenen Straße zu laufen ist zwar nicht gerade schön, doch heute akzeptieren wir das durchaus. Warum? Zum einem entdecken wir im Gebüsch zwischen Straße und Bahngleisen einen schön gezeichneten Prachtfinken, der sich als Rotohramadine (Red-eared Firetail) entpuppt. Und zum anderen gibt es am Ende der rund 1,5 Kilometer langen Strecke nicht nur ein TransWA-Haltepunkt sondern auch ein Gasthaus, die Mumballup Forrest Tavern (Mumby Pub).

Bibbulmun Track: Rotohramadine (Red-eared Firetail)

Rotohramadine (Red-eared Firetail)

Das Gasthaus ist auf dem Bibbulmun Track in aller Munde, denn abgesehen von den Track-Towns ist es auf 1.000 Kilometern die einzige Kneipe entlang des Wanderwegs. Aus einer kurzen Einkehr wird aber trotzdem nichts, denn der Pub öffnet erst gegen Mittag und wir sind viel zu früh vor Ort.

Bibbulmun Track: Mumballup Forrest Tavern aka Mumby Pub

Mumballup Forrest Tavern aka Mumby Pub

Warten, bis der Pub öffnet? Nein! Am Abend berichtet uns ein Mitwanderer, dass sich ein Warten am Pub auch kaum gelohnt hätte. Sein Kaffee war ein sündhaft teurer Nescafe, sein Schnitzel leicht angebrannt und die Bedienung der Mumballup Forrest Tavern war wohl auch nicht gerade die freundlichste.

Wir laufen also weiter, verlassen kurz hinter der Mumballup Forrest Tavern die Straße und erreichen nach weiteren fünf Kilometern den Glen Mervyn Dam.

Bibbulmun Track: Von der Noggerup zur Yabberup Campsite

Von der Noggerup zur Yabberup Campsite

Eigentlich könnten wir hier den heutigen Tag schon beenden, denn am Ufer des Stausees kann man zelten und Sitzgelegenheiten sowie ein Toilettenhäuschen sind hier ebenfalls vorhanden. Allerdings ist es in den Schutzhütten des Bibbulmun Track inzwischen deutlich angenehmer als im Zelt, denn im kühlen Spätherbst sammelt sich an der Zelthaut doch einiges an Kondenswasser. Also wandern wir noch ein Stück weiter, und machen uns im Yabberup Shelter erst einmal einen heißen Kaffee.

Bibbulmun Track: Kaffee-Klatsch im Yabberup Shelter

Kaffee-Klatsch im Yabberup Shelter

Auf müden Füßen nach Collie

Auf der letzten Etappe unseres Wegabschnitts von Balingup bis Collie liegen noch einmal rund 20 Kilometer vor uns. Kurz vor dem Wasserreservoir der Stadt, dem Mungalup Dam, sehen wir erstmals einen Kappensittich (Purpureicephalus spurius) hoch oben in den Bäumen sitzen. Diese farbenfrohen und scheuen Papageien sind an Stirn, Scheitel und Nacken karmesinrot gefärbt und sehen deshalb so aus, als hätten sie eine rote Kappe auf.

Bibbulmun Track: Kappensittich (Red-capped Parrot)

Kappensittich (Red-capped Parrot)

Hinter dem Stausee am Mungalup Dam müssen wir dann schon erste Straßen überqueren und wenige Kilometer hinter dem Collie River zweigt schließlich ein 2,6 Kilometer langer Spur Trail vom Bibbulmun Track ab, der uns in die Stadt hinein führt. Gut einen Kilometer vor dem Zentrum von Collie gelangen wir an den breiten Coalfields Highway. Diesem folgen wir nun, tragen uns auf halbem Weg noch im Visitor Centre ins Trail-Log des Bibbulmun Track ein, und beziehen schließlich unsere Unterkunft, das Colliefields Hotel and Backpackers.

Bibbulmun Track: Der Stausee am Mungalup Dam bei Collie

Der Stausee am Mungalup Dam bei Collie

Collie hat rund 7.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt entlang des Bibbulmun Track. Wir nutzen die gute Infrastruktur, waschen unsere Klamotten und stocken im Supermarkt (hier gibt es sogar mehrere) unsere Lebensmittelvorräte wieder auf. Und da die Bänder rund um die Sprunggelenke unserer Füße inzwischen doch recht schmerzen, wollen wir mit ein oder zwei Ruhetagen auch mal für etwas Entspannung sorgen.

Shelter auf dem Bibbulmun Track

Im Abstand von rund 20 Kilometern hat die Bibbulmun Track Foundation Schutzhütten (engl. „Shelter“) entlang des Wanderwegs errichtet. Diese Hütten sind meist zu einer Seite hin offen und bieten 12 bis 15 Personen Platz. Zusätzliche Ausstattung: Tische und Sitzgelegenheiten, Plumpsklo, Feuerstelle, Regenwassertanks und Zeltplätze. Auf dem Abschnitt zwischen Balingup und Collie stehen folgende Shelter und Campgrounds zur Verfügung:

NameGPS-Daten
Grimwade Campsite33°39’24.3″S 116°01’36.6″E
Noggerup Campsite33°33’52.9″S 116°05’54.8″E
Yabberup Campsite33°27’49.4″S 116°04’39.3″E

alle Angaben ohne Gewähr

Anreise zum Bibbulmun Track

Der Startort Balingup ist von Perth aus mit Bus und Bahn erreichbar. Von der Perth Station geht es zunächst mit dem Australind-Zug in knapp zweieinhalb Stunden nach Bunbury und dann weiter mit der TransWA-Buslinie GS3 nach Balingup (50 Minuten).

Den Zielort Collie erreicht man über Mandurah. Dabei fährt man von der Perth Station zunächst 50 Minuten mit dem Transperth-Zug der Mandurah-Line und wechselt dann auf den TransWA-Bus SW3 nach Collie (2:25 Stunden). Alternative: Ab dem East Perth Terminal fahren die TransWA-Busse auch direkt nach Collie (3:40 Stunden).

Buchtipp

Guidebook 3 – CollieThe Bibbulmun Track Guidebook 3 - Collie
von Steve Sertis und Steve Clark
(ISBN 978-0-9750767-4-3)

Auch wenn die Strecke zwischen Balingup und Collie nur gut 80 Kilometer lang ist, benötigt man gleich zwei Wanderführer. Das Guidebook 3 (Harvey-Quindanning Rd bis Mumballup) und Guidebook 4 (Mumballup bis Donnelly River Village) beschreiben diesen Abschnitt des Bibbulmun Track mit allen wichtigen Wegdetails nebst Kilometerangaben. Beide Guidebook sind ebenso wie topografische Wanderkarten und das Bibbulmun Track Handbook mit generellen Informationen zum Weg über den Online-Shop auf der Website der Bibbulmun Track Foundation verfügbar.

Weitere Beiträge zum Bibbulmun Track

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2 Kommentare

  1. Danke für diesen authentischen Bericht zum Bibbulmun-Track. Die Bilder zusammen mit den lebhaften Beschreibungen geben einen guten Eindruck von der selbstverständlichen aber immer wieder faszinierenden Exotik des Landes. Ich hoffe, dass ich meinen Freund zu einem Trip dorthin mal überreden kann…

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