Unser zweites Teilstück auf dem 1.000 Kilometer langen Bibbulmun Track durch West-Australien führt entlang der Küste von Denmark nach Walpole. Auf der rund 127 Kilometer langen Wanderung passieren wir zwei weitere Inlets und riesige Red Tingle Bäume.

In Denmark haben wir unseren ersten Zero-Day auf dem Bibbulmun Track verbracht. Unsere Mitwanderer Andrew und Marylin haben uns wie eine Gastfamilie aufgenommen und uns an diesem wanderfreien Tag geholfen, die stinkenden Wanderklamotten zu waschen und unsere Lebensmittelvorräte aufzustocken. Sogar für einen kurzen Besuch der Boston Brewery, einer kleinen Craft-Bier-Brauerei drei Kilometer außerhalb des Orts, blieb noch Zeit an diesem ansonsten sehr verregneten Tag.

Auf dem Bibbulmun Track beim Mount Hallowell

Auf dem Bibbulmun Track beim Mount Hallowell

Als wir uns am nächsten Morgen aufmachen, ist der Himmel noch immer wol­ken­ver­han­gen, aber immerhin ist es trocken. Die Schonzeit ist nun vorbei und die Tagesetappen auf dem Bibbulmun Track werden jetzt etwas länger.

Von Denmark bis Walpole wandern

Von Denmark bis zur William Bay Campsite sind es knapp 20 Kilometer. Nachdem wir die Ocean Road überquert und Denmark endgültig verlassen haben, geht es auf einem zum Teil recht felsigen Pfad stetig bergauf zum fast 300 Meter hohen Mount Hallowell.

Auf halbem Weg zum Gipfel setzt wieder Regen ein, der bis zum nächsten Shelter auch nicht mehr aufhören will. Von der tollen Gipfelaussicht auf das Wilson Inlet und die gesamte Region rund um Denmark haben wir leider nichts.

Kalte und ebenso nasse Pause am Lights Beach

Kalte und ebenso nasse Pause am Lights Beach

Vom Mount Hallowell geht es am ebenfalls regenverhangenen Monkey Rock vorbei wieder an die Küste. Am Lights Beach können wir zumindest mal kurz Pause machen und uns am Toilettenhaus unterstellen.

Schade, dass es heute dermaßen regnet, denn der Küstenabschnitt am Beginn des Williams Bay National Park ist wirklich wunderschön. So aber machen wir keine weiteren Pausen mehr und versuchen, möglichst schnell den schützenden Williams Bay Shelter zu erreichen.

Riesige Regenbogen leuchten am Strand

Die Nacht über hatten wir den Shelter ganz für uns alleine. Nur ein paar Kängurus grasten vor der Schutzhütte. Bis zu unserem nächsten Etappenziel, der Boat Harbour Campsite, sind es heute fast 21 Kilometer. Das Wetter scheint endlich mal wieder mitspielen zu wollen und so erreichen wir schnell den mehr als 7,5 Kilometer langen Mazzoletti Beach.

Regenbogen über dem Mazzoletti Beach

Regenbogen über dem Mazzoletti Beach

Auf dieser Kräfte zehrenden Strandstrecke sehen wir nicht nur fantastische Regenbogen (ja, ja, der Regen naht schon wieder), sondern passieren auch das Parry Inlet. Meist lässt sich der durch eine Sandbank blockierte Kanal im kniehohen Wasser gut durchwaten. Bei Flut kann das Wasser aber auch durchaus einen Meter hoch im Kanal stehen und Wanderer zu einem fast 18 Kilometer langen Umweg zwingen.

Im australischen Herbst scheinen die Inlets den Wanderern aber keine größeren Probleme zu bereiten, und so passieren auch wir das Parry Inlet auf der komplett geschlossenen und überaus breiten Sandbank. Am Ende des langen Strandabschnitts machen wir noch kurz Rast am Parry Beach Campground.

Morgenstimmung am Boat Harbour Shelter

Morgenstimmung am Boat Harbour Shelter

Laut GPX-Track sieht der restliche Weg der heutigen Etappe eigentlich ganz gemütlich aus. Ein moderater Anstieg mit 150 Höhenmetern und dann später noch mal ein kleinerer Anstieg. Was die Navigationssoftware leider nicht zeigt: auf dem Weg oberhalb der Steilküste geht es nicht kontinuierlich hoch, sondern mal 30 Meter bergauf und dann wieder 20 abwärts – und das natürlich auf sandigem Untergrund und mit diversen Regenschauern. Im ständigen Auf und Ab laufen wir uns deshalb ganz schön müde, bis wir endlich in der schönen Bucht von Boat Harbour und an der gleichnamigen Campsite ankommen.

Immer wieder zu sehen: das Westliche Graue Riesenkänguru

Immer wieder zu sehen: das Westliche Graue Riesenkänguru

Sonnenschein in der Peaceful Bay

Von der Boat Harbour Campsite führt der Bibbulmun Track auf rund 23 Kilometern zur Peaceful Bay. Zunächst führt uns der Wanderweg durch mannshohes Buschwerk an der Steilküste des Quarram Nature Reserve entlang. Ein wenig später steht schließlich das letzte Inlet-Crossing an.

Das Irwin Inlet wird allerdings nicht umgangen oder durchwatet. Hier stehen stattdessen an einer rund 200 Meter breiten Engstelle kleine Kanus für die Überquerung bereit.

Strandabschnitt im Quarram Nature Reserve

Strandabschnitt im Quarram Nature Reserve

Schlimmstenfalls muss man das Irwin Inlet allerdings gleich dreimal überqueren. Das passiert immer dann, wenn an einem Ufer kein Kanu verbleiben würde. Dann heißt es rüberpaddeln, mindestens ein Kanu ins Schlepptau nehmen und zurückpaddeln, Boote für die nächsten Wanderer am anderen Ufer platzieren und schließlich noch einmal das Inlet queren.

Wir entscheiden uns für einen etwas anderen Weg. Uns entgegen kommende Wanderer hatten mehrfach berichtet, dass auch die Sandbank an der Mündung des Irwin Inlets geschlossen und gut begehbar sei. Deshalb zweigen wir nach rund zwölf Kilometern nicht landeinwärts zur Kanuüberfahrt ab, sondern laufen stattdessen weiter am Strand entlang bis zur Peaceful Bay.

Ein Blick zurück aus der Peaceful Bay

Ein Blick zurück aus der Peaceful Bay

In der Peaceful Bay gibt es keinen Shelter sondern einen richtigen Campingplatz, den Peaceful Bay Caravan Park mit kleinem Café und sündhaft teurem Shop. Ein kühles Bier gehört leider nicht zum Angebot und so begnügen wir uns mit einer Limo und einer Tüte Chips.

Von der Küste in die Wälder

Die Nacht war relativ feucht doch der Himmel verspricht am Morgen einen Tag mit strahlendem Sonnenschein. Das nächste Etappenziel, die Rame Head Campsite, liegt gerade einmal gut zwölf Kilometer entfernt von der Peaceful Bay, doch in der prallen Sonne können auch die durchaus anstrengend sein.

Morgens, kurz hinter Peaceful Bay

Morgens, kurz hinter Peaceful Bay

An der Rezeption des Caravan Parks treffen wir Kerstin wieder, die aufgrund von Blasen drei Tage pausiert und in Albany erst einmal neue Wanderschuhe gekauft hat. Nach einem kurzen Plausch führt uns der Bibbulmun Track dann zunächst weiter entlang der Peaceful Bay zur Groper Bay.

Eine ganze Weile geht es nun mit tollen Aussichten an der Küste entlang, bevor der Weg landeinwärts abzweigt. Sozusagen von hinten schleichen wir uns schließlich an die auf einer Anhöhe liegende Rame Head Campsite heran, deren Shelter wir schon mehr als drei Kilometer vor dem Ziel erstmals in der Ferne sehen.

Sonnenaufgang am Rame Head Shelter

Sonnenaufgang am Rame Head Shelter

Die folgenden 17 Kilometer auf dem Bibbulmun Track führen uns landeinwärts zur Giants Campsite. Zunächst wandern wir noch ein wenig am Meer entlang, doch ab dem Conspicuous Beach zweigt der Weg dann in nordöstlicher Richtung ab, und führt uns durch diverse Tingle- und Karri-Wälder tiefer ins Landesinnere.

Ein Hooded Plover aus der Familie der Regenpfeiffer

Ein Hooded Plover aus der Familie der Regenpfeiffer

Das Tal der Eukalyptus-Giganten

Die mächtigen Bäume rund um die Giants Campsite kündigen bereits eine Attraktion des kommenden Tages an, denn unweit des Shelters befindet sich ein 600 Meter langer Baumwipfelpfad durch die bis zu 400 Jahre alten Eukalyptus-Giganten im Walpole-Nornalup National Park. Der Valley of the Giants Tree Top Walk hat täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet und Erwachsene zahlen 21 AUD Eintritt.

Auf dem Ancient Empire Walk / Tree Top Walk

Auf dem Ancient Empire Walk / Tree Top Walk

Bis zur Frankland River Campsite sind es von der Giants Campsite aus nur gut 13 Kilometer und so können wir den Folgetag recht gemütlich angehen lassen. Nach rund einer halben Stunde Wanderung erreichen wir bereits den Parkplatz des Valley of the Giants Tree Top Walk – natürlich viel zu früh.

Wir holen also noch einmal die Isomatten raus und warten bis das Kassenhäuschen öffnet. Im Souvenir-Shop gönnen wir uns noch einen Kaffee und starten dann auf den bis zu 40 Meter hohen Baumwipfelpfad und den den 450 Meter langen Ancient Empire Walk zu Füßen der mächtigen Red Tingle Trees.

Beim Tree Top Walk im Valley of the Giants

Beim Tree Top Walk im Valley of the Giants

Anschließend geht es auf dem Bibbulmun Track weiter über schöne Waldwege und vorbei an riesigen Eukalyptus-Bäumen. Rund drei Kilometer vor dem Tagesziel gelangen wir an den Frankland River, den wir auf der Sappers Bridge überqueren. Dem Flussverlauf folgend erreichen wir knapp eine Stunde später den Frankland River Shelter, den viele Wanderer für die schönste Schutzhütte am Bibbulmun Track halten.

Der Giant Tingle Tree & Walpole

Walpole, die nächste Track Town am Bibbulmun Track, liegt nun nur noch knapp 18 Kilometer entfernt. Da stört es uns kaum noch, dass wir am nächsten Tag bei leichtem Nieselregen loswandern müssen. Auf leicht begehbaren Waldwegen geht es zunächst stetig bergauf und rund zehn Kilometer vor Walpole gelangen wir zum Giant Tingle Tree, dem angeblich ältesten und größten Eukalyptusbaum der Welt.

Im Giant Tingle Tree kurz vor Walpole

Im Giant Tingle Tree kurz vor Walpole

Der Giant Tingle Tree ist ein Red Tingle Baum (Eucalyptus jacksonii) mit einen Umfang von stattlichen 24 Metern und das Innere seines Baumstamms wurde durch Feuer entkernt. Dank der wasserführenden Fasern im Außenbereich des Stammes ist der Giant Tingle Tree aber trotzdem noch lebensfähig und angeblich haben früher sogar Autos in seinem Baumstamm geparkt.

Webspinne auf dem Bibbulmun Track (Garden Orb Spider)

Webspinne auf dem Bibbulmun Track (Garden Orb Spider)

Unser Tagesziel Walpole wirkt – trotz Sonnenschein – am Sonntagmittag fast wie ausgestorben. Der kleine Ort mit gut 300 Einwohnern bietet Wanderern aber trotzdem eine gute Infrastruktur mit diversen Unterkünften, Lebensmittelgeschäft, Apotheke, Waschsalon und Post.

Da die Rezeption der Jugendherberge bei unserer Ankunft nicht besetzt ist, quartieren wir uns für zwei Nächte in der nahe gelegenen Walpole Lodge ein, bevor wir den nächsten Abschnitt des Bibbulmun Track in Angriff nehmen.

Wegweiser am Bibbulmun Track

Wegweiser am Bibbulmun Track

Shelter auf dem Bibbulmun Track

Im Abstand von rund 20 Kilometern hat die Bibbulmun Track Foundation Schutzhütten (engl. „Shelter“) entlang des Wanderwegs errichtet. Diese Hütten sind meist zu einer Seite hin offen und bieten 12 bis 15 Personen Platz. Zusätzliche Austattung: Tische und Sitzgelegenheiten, Plumpsklo, Feuerstelle, Regenwassertanks und Zeltplätze. Auf dem Abschnitt zwischen Denmark und Walpole stehen folgende Shelter und Campgrounds zur Verfügung:

NameGPS-Daten
William Bay Campsite35°00’59.3″S 117°14’17.6″E
Boat Harbour Campsite35°01’59.6″S 117°04’04.6″E
Peaceful Bay Caravan Park (privat)35°02’25.2″S 116°55’40.0″E
Rame Head Campsite35°02’44.6″S 116°51’38.6″E
Giants Campsite34°58’25.0″S 116°54’12.0″E
Frankland River Campsite34°56’59.6″S 116°48’40.1″E

alle Angaben ohne Gewähr

Anreise zum Bibbulmun Track

Wer den Bibbulmun Track Abschnitt zwischen Denmark und Walpole wandern will, der erreicht den Start- und Zielort mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Perth oder Albany aus. Von Perth kommend nutzt man dabei die Bus- und Bahnlinien von TransWA. Mit der Australind-Bahn geht es dabei von Perth aus in rund zweieinhalb Stunden zunächst nach Bunburry, wo man in die Buslinie GS3 umsteigt. Die Busfahrt nach Denmark dauert fast 5:30 Stunden, bis Walpole sind es etwa 4:30 Stunden.

Die Anbindung nach Albany erfolgt ebenfalls über TransWA. Die Fahrt bis Denmark dauert mit der Buslinie GS3 knapp eine Stunde und auf dem Rückweg von Walpole muss man mit einer Fahrtzeit von rund 1:40 Stunden rechnen. Für den weiteren Weg stehen bieten sich dann die Flughäfen in Perth (PER) und Albany (ALH) an.

Buchtipp

Guidebook 7 – WalpoleThe Bibbulmun Track Guidebook 7 - Walpole
von Steve Sertis und Steve Clark
(ISBN 978-0-9750767-8-1)

Über die Website der Bibbulmun Track Foundation sind das Bibbulmun Track Handbook mit generellen Informationen zum Wanderweg sowie acht Guidebooks zu verschiedenen Wegabschnitten erhältlich. Sechs der sieben Etappen auf der Strecke zwischen Denmark und Walpole sind im Guidebook 7 (Woolbales Campsite bis William Bay Campsite) ausführlich beschrieben. Die Etappe zwischen Denmark und der William Bay Campsite findet sich hingegen im Guidebook 8 (William Bay Campsite bis Albany Southern Terminus). Die listenartigen Track Notes der Guidebooks umfassen die wichtigsten Wegdetails mit Kilometerangaben und sind sowohl für Wanderungen in Nord-Süd- als auch in umgekehrter Richtung aufgeführt.

Linktipp

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