Drei Tagesetappen auf dem Bibbulmun Track führen uns vom Donnelly River Village durch das Blackwood Valley bis nach Balingup. Auf der 60 Kilometer langen Wanderung verabschieden wir uns von den riesigen Karri-Bäumen West-Australiens.

Da wir das Donelly River Village bereits gegen Mittag erreichten, konnten wir in der ehemaligen Sägewerks-Siedlung noch einen wunderschönen und vor allem sonnigwarmen Tag verbringen. Das stillgelegte Sägewerk, das zeitweise noch als Museum diente, lässt sich leider nicht mehr besichtigen, da das Gebäude langsam verfällt. Doch rund um den General Store weht noch ein Hauch der vergangenen Zeit: Süßigkeiten und Bonbons kann man hier auch einzeln kaufen, das Mobiliar scheint aus der alten Dorfschule zu stammen und direkt nebenan gibt es sogar noch eine uralte Zapfsäule zum Tanken.

Australian Ringneck an der Futterschale

Australian Ringneck an der Futterschale

Ab und an geht die Besitzerin des Ladens auf die Veranda und wirft ein wenig Vogelfutter in ein Schälchen. Die Australian Ringneck streiten sich dann um jedes Körnchen. Und während die Papageien das meiste Futter auf dem Boden verteilen, nähern sich auch schon die Emus und Kängurus, um zu schauen, ob für sie da nicht auch etwas abfällt. Ist das Spektakel vorüber, dann kann man im Store natürlich Futternachschub kaufen und draußen noch einmal eine Runde Kängurus knuddeln sowie den sonst so scheuen Emus tief in die Augen schauen.

Emu im Donelly River Village

Emu im Donelly River Village

Von Donnelly River Village bis Balingup wandern

Am nächsten Morgen stehen für uns insgesamt fast 21 Kilometer auf dem Bibbulmun Track an. Wir verlassen den Ort über die wenig befahrene Straße und am Ortsausgang warnt freundlicherweise ein Verkehrschild mit „Caution – Hikers ahead“, denn schließlich weiß ja nicht jeder, dass hier Australiens längster Wanderweg entlang führt. Vom Donnelly River Village geht es zunächst weiter am Donelly River entlang, bis wir auf eine alte Eisenbahntrasse wechseln und schließlich in den Blackwood District gelangen.

Warnschild: Caution - Hikers ahead!

Warnschild: Caution – Hikers ahead!

Der Weg ist recht einfach und relativ eben, so dass wir schnell voran kommen. Kurz bevor wir den Brockman Highway queren, sehen wir erstmals richtig wild lebende Emus – beziehungsweise deren Hinterteile. Wir waren zwar durchaus sehr leise unterwegs, doch allein schon das Knistern der Laubs unter unseren Füßen hat gereicht, um die großen Laufvögel zu verscheuchen.

Mittags naht so langsam das schlechte Wetter und laut Wetterbericht kommt da so einiges auf uns zu. Wir legen aber nach knapp 17 Kilometern trotzdem eine Pause an der Karri Gully Picnic Site ein und verabschieden uns von den letzten Karri-Bäumen auf unserer Wanderung. Mit einer Wuchshöhe von bis zu 90 Metern ist diese nur in West-Australien vorkommende Eucalyptus-Art immerhin der drittgrößte Baum der Welt und weiter nördlich wird sie uns nicht mehr begegnen. Die letzten Kilometer bis zur Gregory Brook Campsite schaffen wir dann – abgesehen von ein paar Warntropfen – sogar noch im Trockenen.

Durch das am Blackwood Valley

Die Nacht über sind wir alleine im Shelter und es regnet des öfteren – mal mehr, mal weniger heftig. Da hier vor einiger Zeit ein Buschfeuer gewütet hat, erinnert die Stimmung am nächsten Morgen ein wenig an einen der Endzeitfilme aus den 80er Jahren: Schwarze, nur spärlich mit Grün geschmückte Bäume, die in Nebelschwaden versinken und dazu ein Hauch von Brandgeruch – apokalyptisch!

Kurz hinter dem Gregory Brook Shelter

Kurz hinter dem Gregory Brook Shelter

Wir machen uns recht zeitig auf den Weg, denn für heute sagt der Wetterbericht Gewitterstürme und ergiebige Regenschauern voraus. Bis zur Blackwood Campsite sind es rund 18 Kilometer. Der Weg führt uns dabei durch das vom Feuer arg mitgenommene Blackwood Valley. Nach rund 11 Kilometer kommen wir am Millstream Dam vorbei, der das 20 Kilometer entfernte Städtchen Bridgetown mit Wasser versorgt.

Vom Staudamm geht es hinab zur Southampton Bridge über den Blackwood River. Kurz vor der Brücke erwischt uns die erste Regenschauer. Die nächste Dusche erhalten wir hinter dem Southampton Homestead, einer der ältesten Farmen der Region. Das Originalgebäude wurde allerdings 2013 ebenfalls durch ein Buschfeuer zerstört.

Verkohlte Grasbäume mit frischem Grün

Verkohlte Grasbäume mit frischem Grün

Hinter der Farm geht es einen steilen Pfad hinauf zur Blackwood Campsite, die wir mit Einsetzen des ersten Gewitters erreichen. Der Shelter bietet einen hervorragenden Ausblick auf die umliegenden Täler und war früher sehr schön gelegen und von schützenden Bäumen umgeben. Von diesen Bäumen ist nach dem Buschfeuer allerdings kaum etwas übrig geblieben und so pfeift der Wind nun erbarmungslos durch die Hütte und treibt die Regentropfen bis auf die Schlafplattform.

Kurze Sonnenphase am Blackwood Shelter

Kurze Sonnenphase am Blackwood Shelter

Zum Zero-Day nach Balingup

Zum Glück hält das Unwetter nicht all zu lange an. Am späten Nachmittag haben wir kurzzeitig sogar strahlenden Sonnenschein, die Nacht ist sternenklar und am nächsten Morgen genießen wir einen fantastischen Blick auf die nebelverhangenen Täler ringsum. Heute geht es nach Balingup. Viele entgegenkommende Wanderer haben uns schon vor dem „Freezer“ des Bibbulmun Track gewarnt: Die Gegend ist bekannt für ihr kühles Klima und in den nächsten Nächten müssen wir definitiv auch mit Frost rechnen.

Morgenstimmung am Blackwood Shelter

Morgenstimmung am Blackwood Shelter

Auf der Etappe bis Balingup erreichen wir nach knapp sieben Kilometer am Mount Jones Dam den mit einem Banks-Rabenkakadu (Red-tailed black cockatoo) gekennzeichneten Greenbushes Loop. Dieser rund 16 Kilometer lange Rundwanderweg verläuft auf den nächsten vier Kilometern parallel zum Bibbulmun Track und wer eine der beiden Abzweigungen nutzt, der könnte zum Örtchen Greenbushes wandern, wo es ein Roadhouse, das Greenbushes Eco Cultural Discovery Centre und Australiens größte Lithium-Mine gibt.

Stausee des Mount Jones Dam

Stausee des Mount Jones Dam

Nach der zweiten Abzweigung des Greenbushes Loop Wanderweges geht es im Grunde nur noch bergab. Der Golden Valley Tree Park kündigt schließlich das Ende der 17 Kilometer langen Tagesetappe an. Der 60 Hektar große Park auf den Hügeln vor Balingup beherbergt nicht nur das Golden Valley Homestead (etwa 1890), sondern auch die verschiedensten Baumarten aus aller Welt und lockt deshalb gerade im Herbst mit einem prächtigen Farbspiel. Wir kommen dafür allerdings ein wenig zu spät, denn Mitte Mai haben viele Bäume ihre Blätter schon abgeworfen.

Der Golden Valley Tree Park in Balingup

Der Golden Valley Tree Park in Balingup

Das fast 500 Einwohner zählende Balingup hat deutlich mehr zu bieten als unsere letzte Station, das Donelly River Village. Hier gibt es immerhin einen richtigen Gerneral Store, Taverne und Restaurant, eine Post, eine Apotheke, einen ATM für Bargeld und das Taste of Balingup, ein nettes Café mit feinem Kaffee, leckeren Muffins und kostenlosem Internet-Zugang per WLAN.

Was es derzeit nicht in Balingup gibt, ist eine günstige Backpacker-Unterkunft. Das Post-Gebäude, in dem das örtliche Backpackers untergebracht war, wurde kürzlich verkauft und ist nun erst einmal wegen Renovierung geschlossen. Wir wollen hier aber trotzdem einen Ruhetag einlegen und lassen uns deshalb vom Visitor Centre ein nettes Cottage etwas außerhalb des Orts vermitteln.

Bibbulmun Track Wegweiser

Bibbulmun Track Wegweiser

Shelter auf dem Bibbulmun Track

Im Abstand von rund 20 Kilometern hat die Bibbulmun Track Foundation Schutzhütten (engl. „Shelter“) entlang des Wanderwegs errichtet. Diese Hütten sind meist zu einer Seite hin offen und bieten 12 bis 15 Personen Platz. Zusätzliche Austattung: Tische und Sitzgelegenheiten, Plumpsklo, Feuerstelle, Regenwassertanks und Zeltplätze. Auf dem Abschnitt zwischen Donnelly River Village und Balingup stehen folgende Shelter und Campgrounds zur Verfügung:

NameGPS-Daten
Gregory Brook Campsite33°58’56.5″S 115°56’18.3″E
Blackwood Campsite33°52’36.9″S 115°57’55.8″E

alle Angaben ohne Gewähr

Anreise zum Bibbulmun Track

Das Donnelly River Village ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht direkt erreichbar. Von Perth aus erreicht man nach einer Fahrt im TransWA-Zug Australind die Stadt Bunbury in 2:25 Stunden und von dort aus mit dem TransWA-Bus GS3 das vom Donnelly River Village rund 30 Kilometer entfernte Bridgetown (1:25 Stunden). Von Albany aus fährt der Bus GS3 bis ins ebenfalls knapp 30 Kilometer entfernte Manjimup (4:15 Stunden ).

Balingup ist ebenfalls mit der TransWA-Buslinie GS3 erreichbar. Von Albany dauert die Fahrt rund fünf Stunden und vom nördlich gelegenen Bunbury oder Mundarah aus gelangt man in 50 Minuten beziehungsweise 2:40 Stunden nach Balingup. Bunbury erreicht man ab Perth mit dem Australind-Zug (2:25 Stunden) und Mundarah mit der Mundarah Line (50 Minuten).

Buchtipp

Guidebook 4 – BlackwoodThe Bibbulmun Track Guidebook 4 - Blackwood
von Steve Sertis und Steve Clark
(ISBN 978-0-9750767-5-0)

Die Wanderung zwischen dem Donnelly River Village und Balingup ist komplett im Guidebook 4 (Mumballup bis Donnelly River Village) der Bibbulmun Track Foundation beschrieben. Alle wichtigen Wegdetails in Nord-Süd- als auch in umgekehrter Richtung listen die Track Notes des Wanderführers mit Kilometerangaben. Topografische Wanderkarten im Maßstab 1:50.000 und ein zusätzliches Bibbulmun Track Handbook mit generellen Informationen zum Wanderweg sind ebenfalls über den Web-Shop der Bibbulmun Track Foundation erhältlich.

Linktipp

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