Von Pemberton aus erreicht man nach rund 100 Kilometern auf dem Bibbulmun Track das Donnelly River Village. Dort kann man die Korken knallen lassen, denn End-to-Ender haben hier die Hälfte der 1.000 Kilometer auf Australiens längstem Wanderweg geschafft.

In Pemberton verbringen wir zwei Nächte in der Jugendherberge und erholen uns etwas bei einem wanderfreien Tag. Die eigentliche Jugendherberge, das Pemberton YHA, ist hier fast immer – und natürlich auch während der derzeitigen Apfelernte – komplett mit Saisonarbeitern belegt. Für Reisende und Wanderer auf dem Bibbulmun Track vermietet die Jugendherberge aber auch Betten und Zimmer in einem zweiten Gebäude direkt gegenüber dem IGA-Supermarkt.

Bibbulmun Track: Frisch rasiert am Big Brook Dam

Frisch rasiert am Big Brook Dam

Das kleine Häuschen ist ein ehemaliges Arbeiterhaus des hiesigen Sägewerks und bietet Wanderern alles, was sie brauchen: eine warme Dusche, eine Waschmaschine und eine gut ausgestattete Küche. Das einzige, was fehlt ist der Internet-Zugang per WLAN, doch den gibt es kostenlos im Community Resource Centre, der im gleichen Gebäude untergebracht ist wie der Visitor Centre.

Von Pemberton bis Donnelly River Village wandern

Frisch gestärkt und frisch geduscht geht es bei lausiger Kälte von Pemberton aus auf eine gut 25 Kilometer lange Tagesetappe. Nach rund sechs Kilometern erreichen wir den Big Brook Dam, der Pemberton und die Forellenteiche der Umgebung mit Wasser versorgt. Rund um den Stausee führt ein asphaltierter Wanderweg, den auch der Bibbulmun Track nutzt.

Drei Kilometer weiter gelangen wir zur Picnic-Area Big Brook Arboretum, wo man in den 1930er Jahren Bäume aus anderen Teilen Australiens sowie aus aller Welt angepflanzt hat, um deren Wachstum auf westaustralischem Boden zu studieren. Unter einer Kanarischen Kiefer, einer Bordeaux-Kiefer und Eucalyptus-Arten aus New South Wales und Queensland gönnen wir uns einen kurzen Zwischenstopp.

Bibbulmun Track: Im Shelter der Beedelup Campsite

Im Shelter der Beedelup Campsite

Der Weg führt uns nun eine ganze Zeit durch schöne Karri- und Yarri-Wälder. Kurz vor der Channybearup Road beobachten wir bei einer Pause noch einmal die Forest Red-tailed Black Cockatoos und sehen auch erstmals einen Red Wattlebird, der im Deutschen wohl als Rotlappen-Honigfresser bezeichnet wird. Nach weiteren drei Kilometern durch den Beedelup-Nationalpark erreichen wir schließlich unser Tagesziel, die Beedelup Campsite. Am Shelter, den wir diese Nacht ganz für uns alleine haben, sehen wir noch ein Pärchen Red-winged Fairy-wren (Malurus elegans), doch der hübsche Silberkopf-Staffelschwanz ist für unsere Kamera leider viel zu flink.

Durch den Beedelup National Park

Am nächsten Morgen gelangen wir bereits nach rund 30 Minuten zur Hauptattraktion des Beedelup-Nationalpark, den Beedelup Falls. Wir besichtigen die kleine Serie von Wasserfällen und queren den Beedelup Brook über eine Hängebrücke. Allzu lange halten wir uns dann aber doch nicht auf, denn auch heute sind es rund 22 Kilometer mit mehr als 500 Höhenmetern bis zur Beavis Campsite. Zudem verspricht der Wetterbericht nicht all zu Gutes, denn heute sollen noch rund zehn Millimeter Regen fallen und für den Tag darauf sind Gewitterstürme und weitere Schauern angesagt.

Bibbulmun Track: Die Beedelup Falls im australischen Herbst

Die Beedelup Falls im australischen Herbst

Zunächst wandern wir aber noch bei strahlendem Sonnenschein durch Karri– und Marri-Wälder. Dabei kommen wir auch an einem Karri-Marri-Baum vorbei. Aus dem mächtigen Stamm des Baums wachsen gleich beide Baumarten. Gegen Mittag machen wir noch einmal eine kurze Pause und sehen dabei das Unheil schon auf uns zukommen. Dunkle Regenwolken ziehen auf und so machen wir uns ohne weitere Pausen schnellen Schrittes auf den Weg zum nächsten Shelter.

Bibbulmun Track: Karri Marri Tree am Bibbulmun Track

Karri Marri Tree am Bibbulmun Track

Rund drei Kilometer vor der Schutzhütte treffen wir erstmals auf den Donelly River. Bis zum Donelly River Village folgt der Bibbulmun Track nun weitgehend dem Lauf dieses Flusses. Einen Kilometer weiter ist es dann soweit: Es regnet. Mit Goretex-Jacke und Regenrock bewaffnet schaffen wir es aber immerhin noch mit trockener Hose und trockenen Schuhen zur Beavis Campsite.

Bibbulmun Track: Sunshine Road rechts, Bibbulmun Track links...

Sunshine Road rechts, Bibbulmun Track links…

Auf und Ab im Donellly River Valley

Die Nacht über hat es mit kleineren Unterbrechungen durchgeregnet und in der Ferne waren auch Blitze zu sehen. Früh morgens sieht es nicht viel besser aus, deshalb gönnen wir uns eine zusätzliche Viertelstunde im warmen Schlafsack – nass werden können wir ja immer noch. Dann aber geht es los. Von der Beavis Campsite bis zur Boarding House Campsite sind es immerhin 21 Kilometer und über 700 Höhenmeter – laut Guidebook ist es eine der anstrengendsten Etappen auf dem Bibbulmun Track.

Bibbulmun Track: Zwischen Beavis und Boarding House Campsite

Zwischen Beavis und Boarding House Campsite

In der Tat haben es die steilen An- und Abstiege im Donelly River Valley ganz schön in sich. Zudem wechselt das Wetter fröhlich zwischen Sonnenschein, Nieselregen und kräftigen Schauern. Insgesamt fällt uns die Etappe aber trotzdem leichter, als die gestrige mit ihrem ständigen Auf und Ab. Die Hauptattraktion des Tages ist die Wirraway Bridge am Fuße des letzten großen Anstiegs. Hier laufen die Wanderer über einen mächtigen Karri-Baumstamm, der zur Fußgängerbrücke über einen kleinen Fluss umfunktioniert wurde.

Bibbulmun Track: Die Wirraway Bridge aus einem Karri-Baumstamm

Die Wirraway Bridge aus einem Karri-Baumstamm

Sechs Kilometer vor dem Tagesziel wird der Weg dann deutlich einfacher. Für heutige Verhältnisse geht es relativ eben bis zur Boarding House Campsite weiter und irgendwie schaffen wir es trotz weiterer Schauern doch noch relativ trocken bis in den Shelter. Da wir die Schutzhütte heute wieder ganz für uns allein haben, können wir die feuchten Klamotten auch überall gut aufhängen. Wirklich trocken wird bei dem Wetter und den inzwischen doch recht kühlen Temperaturen aber ohnehin nichts.

Bibbulmun Track: Am Half-Way-Marker des Bibbulmun Track

Am Half-Way-Marker des Bibbulmun Track

501 Km bis Albany & Kalamunda

Im Regen starten wir frűh am Morgen zur nächsten Etappe, denn von der Boarding House Campsite bis zur Tom Road Campsite sind es mehr als 23 Kilometer. Nach gut einem Drittel des Weges erreichen wir einen ganz besonderen Punkt: den Half-Way-Marker des Bibbulmun Track (34°14’06.1″S 115°56’10.5″E). Hier ist die Hälfte des Wanderwegs geschafft und sowohl Albany als auch Kalamunda sind laut Schild genau 501 Kilometer entfernt.

Bibbulmun Track: Die historische One Tree Bridge

Die historische One Tree Bridge

Nach der Hälfte unserer Tagesetappe gönnen wir uns eine Pause an den Überresten der historischen One Tree Bridge. Der große Baumstamm dieser alten Holzbrücke stammt aus dem Jahr 1904, während die Abdeckung aus den 1930er Jahren ist. Wir müssen das morsche Teil aber nicht mehr benutzen, denn 1971 wurde sie durch eine moderne Straßenbrücke ersetzt und seit 2015 gibt es direkt daneben sogar eine zusätzliche Hängebrücke speziell für Wanderer.

Bibbulmun Track: Western Rosella oder auch Gelbwangenrosella

Western Rosella oder auch Gelbwangenrosella

Knapp zwei Kilometer weiter, kurz vor dem Greens Island Campground haben wir dann noch ein Erlebnis der besonderen Art. Seit Tagen sehen wir ab und an den wunderschönen, aber doch recht scheuen Western Rosella, der bei uns Gelbwangenrosella oder Stanleysittich genannt wird. Immer wieder hat uns der kleine Papagei zum Narren gehalten. Kaum hatten wir die Kamera im Anschlag, war er auch schon wieder weg. Heute aber können wir ihn mehrere Minuten lang aus einer Entfernung von gerade einmal fünf Metern beobachten. Mit schönen Fotos in der Tasche macht es da auch kaum noch etwas aus, dass es kurz vor der Tom Road Campsite noch einmal zu regnen anfängt.

Auf zum Kängurus-Knuddeln

Nach vier recht anstrengenden und nasskalten Tagen sind es von der Tom Road Campsite nur rund 16 Kilometer bis in die „Zivilisation“. Bei schönen Wetter wandern wir in gerade einmal vier Stunden ins Donelly River Village, das früher einmal eine kleine Siedlung mit 35 Cottages für die Arbeiter eines Sägewerks war. Ende der 1970er hat das Sägewerk allerdings den Betrieb eingestellt und heute wird das Örtchen als Feriendorf genutzt.

Bibbulmun Track: Der General Store im Donelly River Village

Der General Store im Donelly River Village

Im kleinen General Store stocken wir so gut es geht unsere Lebensmittelvorräte für den weiteren Weg auf. Den Rest des Tages nutzen wir, um uns mit den Kängurus und Emus anzufreunden, die hier – angefüttert von den Touristen und deshalb ohne jede Scheu – durchs Dorf laufen. Für eine Nacht quartieren wir uns schließlich in der alten Dorfschule ein, die speziell für Wanderer zur Budget-Unterkunft umfunktioniert wurde.

Bibbulmun Track: Känguru im Donelly River Village

Känguru im Donelly River Village

Shelter auf dem Bibbulmun Track

Im Abstand von rund 20 Kilometern hat die Bibbulmun Track Foundation Schutzhütten (engl. „Shelter“) entlang des Wanderwegs errichtet. Diese Hütten sind meist zu einer Seite hin offen und bieten 12 bis 15 Personen Platz. Zusätzliche Ausstattung: Tische und Sitzgelegenheiten, Plumpsklo, Feuerstelle, Regenwassertanks und Zeltplätze. Auf dem Abschnitt zwischen Pemberton und Donnelly River Village stehen folgende Shelter und Campgrounds zur Verfügung:

NameGPS-Daten
Beedelup Campsite34°24’41.9″S 115°52’36.6″E
Beavis Campsite34°18’43.9″S 115°50’27.8″E
Boarding House Campsite34°16’49.3″S 115°55’51.8″E
Tom Road Campsite34°09’51.8″S 115°54’46.7″E

alle Angaben ohne Gewähr

Anreise zum Bibbulmun Track

Pemberton ist von Perth oder Albany aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Ab Perth fährt man mit dem TransWA-Zug Australind in knapp zweieinhalb Stunden bis Bunbury, wechselt dort auf einen Bus des gleichen Unternehmens (Linie GS3 oder SW3) und ist 2:40 Stunden später in Pemberton. Von Albany kommend dauert die Fahrt im TransWA-Bus GS3 etwa drei Stunden bis zum Pemberton Turnoff.

Donnelly River Village ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die nächstgelegenen Orte mit ÖPNV-Anschluss sind das jeweils rund 30 Kilometer entfernte Manjimup und Bridgetown. Von hier aus gelangt man mit dem TransWA-Bus wieder nach Pemberton beziehungsweise nach Bunburry oder Albany.

Buchtipp

Guidebook 5 – PembertonThe Bibbulmun Track Guidebook 5 - Pemberton
von Steve Sertis und Steve Clark
(ISBN 978-0-9750767-6-7)

Das Bibbulmun Track Guidebook 5 beschreibt den kompletten Wegabschnitt von Northcliffe über Pemberton bis hin zum Donnelly River Village. Listenartige Track Notes des Wanderführers führen dabei alle wichtigen Wegdetails mit Kilometerangaben auf – sowohl für Wanderungen in Nord-Süd- als auch in umgekehrter Richtung . Zusätzlich zum Guidebook sind über die Website der Bibbulmun Track Foundation auch das topografische Wanderkarten und das Bibbulmun Track Handbook mit allgemeinen Informationen zum Weg erhältlich.

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Linktipp

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