Der Weg von Lake City nach Silverton ist der höchstgelegene Streckenabschnitt auf dem 782 Kilometer langen Colorado Trail durch die Rocky Mountains. Wanderer laufen hier gut 30 Meilen lang überhalb der Baumgrenze und erreichen dabei auch den höchsten Punkt des Weitwanderwegs auf einer Höhe von 4.045 Metern.

Lake City liegt rund 17 Meilen vom Colorado Trail entfernt in den San Juan Mountains. Früher war Lake City mit 5.000 Einwohnern einer der wichtigsten Versorgungspunkte für die Minenarbeiter der Region. Heute ist es mit gerade einmal 400 Einwohnern einer der kleineren Orte entlang des Colorado Trail. Wir haben uns hier in einem Blockhaus der Town Square Cabins einquartiert und uns zwei weitere Ruhetage auf unserer Weitwanderung durch die Rocky Mountains gegönnt.

Unsere Cabin in Lake City

Unsere Cabin in Lake City

Der kleine, touristische Ort ist im Grunde nur ein Straßendorf. Trotzdem gibt es hier zwei kleine Lebensmittelgeschäfte, einen recht gut sortierten Outdoor- & Sports-Shop sowie sage und schreibe drei Tankstellen. Wir haben hier mal wieder gewaschen und auch unser Proviant für den weiteren Verlauf des Colorado Trail gekauft. Auf vorab verschickte Lebensmittelpakete (Mail-Drops) verzichten wir auf der gesamten Wanderung.

Vom Spring Creek Pass zum Molas Pass wandern

Wir stehen in aller Herrgotts Frühe auf, packen unsere sieben Sachen und gehen in Lake City noch einmal schön Frühstücken. Frisch gestärkt stellen wir uns an die Hauptstraße des Ortes und halten ohne große Erwartungen den Daumen raus. All zu viele Autos sind hier an einem Sonntagmorgen gegen acht Uhr natürlich noch nicht unterwegs, doch im gegenüber liegenden Sportshop können wir zur Not immer noch einen Shuttle-Service buchen. Zu unserem Erstaunen dauert es dann noch nicht einmal eine Viertelstunde, bis jemand anhält und uns zum Trailhead am Spring Creek Pass mitnimmt.

Wegmarkierung auf der Jarosa Mesa

Wegmarkierung auf der Jarosa Mesa

Zum Start ins 22. Segment des Colorado Trail steht zunächst ein gemächlicher aber langer Anstieg zur Hochebene Jarosa Mesa auf fast 3.700 Meter Höhe an. Im Hintergrund rückt nun die Bergkette, die wir bereits von der Snow Mesa aus bewundern konnten, immer näher. Wenn wir uns ein wenig den Kopf verrenken, sehen wir ab und an sogar Lake City unten im Tal. Im leichten Regen wandern wir noch ein Stück weiter Richtung Südwesten.

Verlockende Pilze am Wegesrand

Verlockende Pilze am Wegesrand

Nach insgesamt gerade einmal 8,7 Meilen (14 km) erreichen wir auch schon unser Tagesziel, die Jurte der Colorado Trail Friends, in der wir uns am Vortag zwei Bunk-Betten reserviert haben. Wir wollten das einfach mal ausprobieren, denn wir haben noch nie in einer Jurte übernachtet. Und falls ab Nachmittag noch Monsun-Gewitter anrollen, dann ist es hier drin allemal gemütlicher als im Zelt.

Die Jurte der Colorado Trail Friends

Die Jurte der Colorado Trail Friends

Zum höchsten Punkt des Colorado Trail

Abgesehen von einer Schafsherde, die in der Dämmerung laut blöckend in unser Tal zog, war die Nacht recht ruhig. Eigentlich wollten unsere Mitbewohner, zwei Mädels aus Denver und ein älterer Herr aus Michigan, recht früh aufbrechen. Als wir uns gegen halb sieben auf den Weg machen, sind wir dann aber doch die ersten auf dem Trail. Der etwas matschige Weg führt uns erst einmal durch den der Jurte gegenüber liegenden Wald hinauf.

Auf dem Weg zum High Point

Auf dem Weg zum High Point

Über der Baumgrenze geht es relativ gemächlich weiter bergauf bis zum Talkessel oberhalb des Ruby Creek. Ab hier wandern wir über Wiesen und Geröllfelder – mal sanft ansteigend, mal in Serpentinen – von Sattel zu Sattel. Stets begleitet uns dabei eine fantastische Aussicht: gen Osten blicken wir auf die Snow Mesa zurück und nach Westen zeigen sich unter anderem Redcloud Peak (4.276 m), Grassy Mountain (3.893 m) und Red Mountain (3.906 m), auf die wir teilweise schon herabblicken.

Am High Point des Colorado Trail auf 4.045 Metern Höhe

Am High Point des Colorado Trail auf 4.045 Metern Höhe

Nach rund sieben Meilen (11,1 km) erreichen wir schließlich den höchsten Punkt des Colorado Trail auf 13.271 Fuß beziehungsweise 4.045 Metern. Nach einem Erinnerungsfoto vor der entsprechenden Hinweistafel, laufen wir weiter zum rund 250 Meter tiefer gelegenen Trailhead am Carson Saddle. Hier wurde früher einmal kräftig gebuddelt und nach Gold und Silber gesucht. Einige verfallene Hütten und Abraumhalden rechts und links des Wegs erinnern noch an diese Zeit.

Blick vom Carson Saddle Trailhead

Blick vom Carson Saddle Trailhead

Da wir nicht das passende Werkzeug zum Goldschürfen dabei haben und uns davon auch nicht all zu viel versprechen, setzen wir unsere Wanderung im 23. Segment des Colorado Trail fort. Nach einem kurzen Stück auf der Jeep Road, über die auch ATVs und Quads zum Carson Saddle gelangen, zweigt unser Weg nach Westen in ein Seitental ab. An einem kleinen Bach füllen wir noch einmal unsere Trinkwasserflaschen und eine halbe Meile weiter schlagen wir unterhalb des Carson Peak schließlich unser Zelt auf.

Unser Zeltplatz jenseits der Baumgrenze

Unser Zeltplatz jenseits der Baumgrenze

Wandern mit Kojoten und Elchen

Auch heute stehen wir wieder früh auf, denn nach dem ersten Aufstieg werden wir den gesamten Tag oberhalb der Baumgrenze wandern und da ist das meist bessere Wetter am Morgen deutlich angenehmer. Kurz bevor wir den ersten Pass auf 3.938 Meter Höhe erreichen, werden wir beobachtet.

Heulender Kojote am Wegesrand

Heulender Kojote am Wegesrand

Zwei Kojoten stehen rund hundert Meter entfernt und beäugen uns. Ein wenig später stimmen die beiden auch ihr Geheul an, das wir bereits in der Nacht mehrfach hören konnten. Als wir weiter wandern, blasen sie aber zum Rückzug und geben anstandslos den Weg frei.

Elche am Ufer des Cataract Lake

Elche am Ufer des Cataract Lake

Hinter dem Pass gelangen wir in ein Tal, aus dem der Pole Creek sein Wasser bezieht. In dem Tal kommen wir auch an mehreren kleinen Seen vorbei und am Ufer des größten Sees, dem Cataract Lake, entdecken wir tatsächlich gleich drei Elche. Hinter den Seen geht es an einem kleinen Wasserfall vor hinauf zu einem Sattel, der uns ins Nachbartal führt. Das Bergpanorama ist hier fantastisch, und das wird sich den ganzen Tag nicht ändern.

Weitwandern jenseits der Baumgrenze

Weitwandern jenseits der Baumgrenze

Da das Wetter gut mitspielt und es den ganzen Tag trocken bleibt, wandern wir weiter am Cuba Peak vorbei bis zur anvisierten Campsite bei Meile 13,5. Das halbwegs ebene Plätzchen neben einem kleinen See auf rund 3.900 Metern Höhe ist uns dann aber doch etwas zu exponiert. Hier möchte keiner von uns beiden ein Monsun-Gewitter erleben und so laufen wir noch knapp zweieinhalb Meilen (4 km) weiter zum Stony Pass Trailhead. Kurz nach dem Start ins 24. Segment des Colorado Trail schlagen wir schließlich im Windschatten des Green Mountain unser Zelt auf.

Der Green Mountain am Stony Pass Trailhead

Der Green Mountain am Stony Pass Trailhead

Atemberaubender Abstieg zum Elk Creek

Die Nacht war klirrend kalt und selbst das Wasser im AZ-Blaster – unserem Trekking-Bidet – ist gefroren. Der Colorado Trail führt uns heute durch die Weminuche Wilderness Area wieder ein wenig hinauf auf eine Art Hochebene.

Morgenstimmung am Colorado Trail

Morgenstimmung am Colorado Trail

Rechter Hand rücken bald die markanten Gipfel des Arrow Peak (4.204 m) und Vestal Peak (4.201 m) ins Blickfeld, welche die Bergkette südlich des Elk Creek Tals dominieren.

Vestal Peak (4.201 m) und Arrow Peak (4.204 m)

Vestal Peak (4.201 m) und Arrow Peak (4.204 m)

Nachdem wir einige kleinere Seen passiert und auch noch mal ein größeres Schneefeld gequert haben, zweigt der Colorado Trail nach Westen hin ab und verlässt die kontinentale Wasserscheide sowie den Continental Divide Trail. Wenig später verliert der Weg dramatisch an Höhe. Zunächst steigen wir auf Serpentinen gut hundert Meter in das Tal des Elk Creek hinab, bis wir einen Stollen und eine alte Hütte ehemaliger Minenarbeiter erreichen.

Serpentinen erleichtern den steilen Abstieg

Serpentinen erleichtern den steilen Abstieg

An einer Felswand entlang geht es weiter bergab, bis sich das Tal etwas weitet und der kleine Fluss mehr Wasser aus einigen Wasserfällen bekommt. Über Geröllfelder führt uns der Weg weiter hinab und schließlich wieder näher an den Fluss heran sowie durch die ersten Waldpartien.

Abstieg ins Tal des Elk Creek

Abstieg ins Tal des Elk Creek

Nach gut 800 Höhenmetern im Abstieg schlagen wir schließlich an einem kleinen Teich unser Zelt auf – auf steinigem und unebebenem Grund, aber vis-a-vis vom Arrow und Vestal Peak.

Tümpel mit Blick auf Vestal und Arrow Peak

Tümpel mit Blick auf Vestal und Arrow Peak

Mit Volldampf nach Silverton

Heute können wir endlich mal ausschlafen. Von den verbleibenden 8,6 Meilen in Segment 24 des Colorado Trail werden wir uns nämlich ein paar Meilen sparen. Zunächst liegt aber der weitere Abstieg durch das Tal des Elk Creek vor uns. Der Weg führt uns mal direkt neben dem Wildbach laufend, mal hoch über ihm wandernd, zur Grenze der Weminuche Wilderness Area. Ein paar Meter später zweigt linker Hand ein kleiner Pfad zum „Train Stop“ ab, dem wir folgen.

Die Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad

Die Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad

Der Weg führt uns zur Haltestelle „Elk Creek“, wo wir per Handzeichen den Zug der Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad stoppen können. Die Museumsbahn wird angetrieben von einer Denver and Rio Grande Western K-36 Dampflok aus dem Jahre 1925 und soll hier um elf Uhr vorbeikommen. Ganz pünktlich ist die alte Dame nicht, aber als sie endlich schnaubend vor uns hält, packen wir die Rucksäcke in den Frachtraum und besteigen einen der original getreu restaurierten und fast komplett mit Touristen besetzten Waggons.

Zugfahrt durchs Tal des Animas River

Zugfahrt durchs Tal des Animas River

Auf der Fahrt durch das atemberaubende Tal des Animas River, kommt dann irgendwann der Schaffner vorbei: „Habt Ihr ein Ticket?“, fragt er. „Nein, man sagte uns, dass wir im Zug zahlen könnten“, entgegen wir. „Na, dann lasst mal stecken. Sind ja eh nur noch 25 Minuten Fahrt“, meint er daraufhin grinsend und beschert uns den nächsten Trail Magic Moment. In Silverton quartieren wir uns schließlich im Prospector Motel ein und verwöhnen uns nach einer ausgiebigen Dusche mit Bier und Pizza in der Golden Block Brewery.

Die Denver and Rio Grande Western K-36 Dampflok

Die Denver and Rio Grande Western K-36 Dampflok

Kleine Trail-Statistik: insgesamt haben wir in den fünf Tagen (eigentlich ja nur viereinhalb) auf den Segmenten 22 bis 24 des Colorado Trail 77 Kilometer zurückgelegt und 2.640 Höhenmeter im Aufstieg sowie 3.206 Höhenmeter in Abstieg bewältigt. Im Durchschnitt macht dies pro Tag 15,4 Kilometer mit 528 Höhenmetern im Aufstieg und 641 Höhenmetern im Abstieg.

Basisinfos zum Colorado Trail

Der Colorado Trail ist ein 782 Kilometer langer Weitwanderweg in den USA. Auf Höhen zwischen 3.000 und 4.000 Metern führt er vom Waterton Canyon bei Denver durch die Rocky Mountains bis Durango und nutzt dabei zum Teil die gleichen Wege wie der Continental Divide Trail.

Blumen am Colorado Trail

Blumen am Colorado Trail

Der Colorado Trail ist in 28 Segmente unterteilt, deren Anfangs- und Endpunkte per Auto erreichbar sind. Komplett begehbar ist der Colorado Trail meist ab Anfang Juli bis Ende September. Zwischen Twin Lakes und dem South Fooses Ridge existieren zwei alternative Routen, die klassische Collegiate East und die spektakulärere Collegiate West Variante. Mountainbiker dürfen den Wanderweg ebenfalls nutzen, müssen die geschützen Wilderness Areas allerdings umfahren.

Von Deutschland aus erfolgt die Anreise am einfachsten über den internationalen Flughafen Denver (DEN). Ein Nonstop-Flug ab Frankfurt dauert dabei rund zehn Stunden. Aufgrund einer leichteren Akklimatisierung laufen die meisten Wanderer von Norden nach Süden. Die Anreise zum Wegbeginn am Waterton Canyon bei Denver erfolgt dabei mit der Regional Transportation District (RTD), die einen zum Mineral Park ’n‘ Ride bringt. Für die letzten zehn Meilen zum Waterton Canyon Trailhead nutzt man dann meist ein Taxi oder einen Wagen von Uber.

Buchtipp

The Colorado Trail GuidebookThe Colorado Trail - Official Guidebook
von The Colorado Trail Foundation (ISBN 978-1-937052-33-1)

Zur Vorbereitung auf den Colorado Trail empfiehlt sich das hervorragend aufbereitete Guidebook der Colorado Trail Foundation. Es bietet ausführliche Informationen zum Wandern, Reiten oder Biken auf dem Colorado Trail, beschreibt etwaige Probleme bei der Trinkwasser- oder Lebensmittel-Versorgung und geht auch auf Gefahren wie Gewitter oder Schwarzbären ein. Den Hauptteil macht allerdings die Beschreibung der 28 Segmente des Colorado Trails sowie der Collegiate West Route aus. Jedes Trail-Segment und dessen Besonderheiten sind dabei ausführlich beschrieben, Highlights schön bebildert und doppelseitige topographische Karten mit wichtigen Wegpunkten nebst GPS-Daten erleichtern die Planung der eigenen Wanderung.

Zusätzlich zum Guidebook ist das sehr kompakte The Colorado Trail Databook (ISBN 978-1-937052-25-6) erhältlich. Im Gegensatz zum umfangreicheren Guidebook listet das Databook lediglich alle Resupply-Optionen zum Nachkaufen von Lebensmitteln und alle wichtigen Wegpunkte der jeweiligen Trail-Segmente nebst Kilometrierung und Wegskizze. Für die Wanderung selbst reicht dieses Databook meist vollkommen aus.

Linktipp

______
Anmerkung: Einige Produkt-Verlinkungen auf dieser Seite sind sogenannte Affiliate-Links für die HappyHiker eine geringe Provision erhält, falls Du einen dieser Artikel darüber kaufst. Für dich fallen dabei keine Extra-Kosten an, mir hilft es bei der Kostendeckung meines Blogs.

Schreibfehler gefunden? Markiere den Fehler und drücke [STRG+ENTER}.