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Colorado Trail – Von Silverton bis Durango

Schlußspurt auf dem 782 Kilometer langen Colorado Trail in den USA! Auf den letzten 120 Kilometern geht es auf unserem Thruhike durch die Rocky Mountains vom Molas Pass bei Silverton zum Indian Trail Ridge hinauf und dann hinab zum südlichen Terminus des Weitwanderwegs nahe Durango.

Silverton, unser letzter Zwischenstopp auf dem Colorado Trail, wurde nach Silberfunden in den 1870er Jahren gegründet. Noch heute vermittelt der kleine Ort inmitten der San Juan Mountains seinen Besuchern eine gehörige Portion Wild-West-Romantik. Die meisten Touristen gelangen – ebenso wie wir – nach einer atemberaubenden Zugfahrt durch das Tal des Animas River mit der historischen Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad in die ehemalige Minenstadt.

Wild-West-Romantik - Postkutsche in Silverton

Wild-West-Romantik – Postkutsche in Silverton

Der von einer Dampflok angetriebene Zug aus Durango hält mitten im Ort nahe dem Historic District der Blair Street. Dort steht für eine kleine Rundfahrt auf den geschotterten Straßen der Stadt dann auch schon eine Postkutsche bereit. Nebenan kann man sich ein wenig im Goldschürfen üben, im Saloon und ehemaligen Freudenhaus ein Bierchen trinken oder das aus dem Jahre 1883 stammende Grand Imperial Hotel an der Greene Street, der einzigen geteerten Straße des Ortes, besuchen. Für uns war Silverton auf jeden Fall eines der Highlights am Colorado Trail, doch nach zwei Ruhetagen vor Ort, ging unsere Wanderung durch die Rocky Mountains weiter. Knapp 120 Kilometer sind es von hier aus noch bis Durango.

Vom Molas Pass zum Junction Creek wandern

Sonntag, gegen halb sieben in der Früh: der Wecker klingelt! Wir packen unsere Sachen zusammen und gehen noch einmal im nahe gelegenen Brown Bear Cafe frühstücken. Anschließend holen wir unsere Rucksäcke und treffen uns mit Jerry, den wir auf dem Weg nach Silverton kennengelernt haben, vor dem Blair Street Hostel. Dessen Besitzerin fãhrt uns drei für fünf Dollar pro Nase zum Molas Pass Trailhead hinauf, wo für uns mit dem 25. Segment der letzte Tourenabschnitt auf dem Colorado Trail beginnt.

Kurz hinter dem Molas Pass Trailhead

Kurz hinter dem Molas Pass Trailhead

Der Weg führt zunächst relativ gemächlich bergauf und passiert nach rund einer Meile (1,6 km) den Campingplatz am Little Molas Lake. Durch bunt blühende Wiesen und später auch kleinere Wäldchen geht es zusammen mit zahlreichen Mountainbikern weiter hinauf. Je mehr wir uns dem Pass auf rund 3.800 Metern Höhe nähern, desto dunkler wird es ringsum und ab und an ist auch mal ein kleines Gewittergrollen zu hören.

Aufstieg zum Pass am Rolling Mountain

Aufstieg zum Pass am Rolling Mountain

Im leichten Nieselregen erreichen wir schließlich den Sattel südlich des Rolling Mountain (4.171 m). Auf der anderen Seite des Passes geht es in Serpentinen hinab zur Baumgrenze, an der wir noch einmal rasten und nun doch noch unsere Regenklamotten anlegen. Durch den Wald und über weitere Serpentinen wandern wir weiter hinab ins enge Tal des Cascade Creek. Kurz bevor der Colorado Trail den Wildbach quert, schlagen wir schließlich nach 14,8 Meilen (23,8 km) und mehr als 800 Höhenmeter im Aufstieg unser Zelt auf.

Blick vom Sattel südlich des Rolling Mountain

Blick vom Sattel südlich des Rolling Mountain

Wandern mit Sonnenfinsternis und Hagel

Aus dem idyllischen Tal des Cascade Creek mit seinen zahlreichen kleinen Wasserfällen, wandern wir am nächsten Morgen langsam aufsteigend zu einem Sattel hinauf. Der Blick zurück bietet uns eine schöne Sicht auf den fast 4.000 Meter hohen Schutthaufen des Engineer Mountain. Nach gut sechs Meilen (10 km) erreichen wir den Trailhead an der Bolam Pass Road, wo uns ein Reh (Deer) erwartet, das sich beim Fressen kaum stören lässt.

Reh am Bolam Pass Road Trailhead

Reh am Bolam Pass Road Trailhead

Gegen Mittag wird es merklich dunkler. Allerdings ist diesmal nicht ein Wetterwechsel dafür verantwortlich, sondern eine totale Sonnenfinsternis. Wir erleben das Spektakel allerdings nur partiell und all zu dunkel wird es auch nicht. Wir wandern weiter ins 26. Segment des Colorado Trail hinein, in dem sich laut Guidebook zahlreiche Elche tummeln sollen. Doch leider haben wir nicht noch einmal das Glück, Elche zu sehen.

Wandern mit Sonnenfinsternis - all zu dunkel wird es nicht

Wandern mit Sonnenfinsternis – all zu dunkel wird es nicht

Als wir schließlich den Blackhawk Pass erreichen, wird es abermals dunkel. Diesmal ist es keine Sonnenfinsternis. Bis zum Straight Creek hinab schaffen wir es noch, doch dann fliegen uns die ersten Graupelkörner um die Ohren. Wir stellen uns unter eine Gruppe dichter Fichten unter und holen erst einmal die Regensachen heraus. Binnen weniger Minuten wird es frostig kalt und ringsum ist bereits alles weiß vor Graupel. Das Gewitter hält dann auch durchaus länger an, als uns lieb ist.

Am Blackhawk Pass naht bereits das Unwetter

Am Blackhawk Pass naht bereits das Unwetter

Als das Unwetter endlich ein wenig nachlässt, machen wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Campsite. Die Graupelkörner liegen teilweise gut zehn Zentimeter hoch auf dem matschigen Weg und direkt am Fluss ist es auch viel zu steil zum Zelten, so dass wir erst eine halbe Meile weiter bergab fündig werden. Im Regen bauen wir schließlich unser Zelt auf und versuchen im Schlafsack so schnell wie möglich wieder warm zu werden. Doch das dauert ganz schön lange.

Wandern auf dem Colorado Trail mit Graupel & Hagel

Mit Graupel & Hagel auf dem Colorado Trail

Hoch über dem Hermosa Valley

Am späten Abend hat es tatsächlich noch aufgehört zu regnen und am Morgen ist das ein oder andere Ausrüstungsteil sogar schon etwas abgetrocknet. Wir packen alles – wie gewohnt – noch vor Sonnenaufgang zusammen. Bevor wir loslaufen können, müssen wir allerdings noch gut fünf Liter Wasser an einem der letzten Zuflüsse des Straight Creek filtern, denn auf den nächsten 22 Meilen (35 km) gibt es keine verlässlichen Wasserquellen.

Trübe Aussichten bei bedecktem Himmel

Trübe Aussichten bei bedecktem Himmel

Die ersten zwei Meilen bis zum Trailhead an der Hotel Draw Road geht es weiter bergab. Kurz nach dem Start in das 27. Segment des Colorado Trail steigt der Weg dann aber wieder ein wenig an. Wir laufen durch bunt blühende Wiesen sowie kleinere Waldstücke und ab und an sehen wir beim Blick zurück noch einmal den Blackhawk Mountain. All zu zu toll ist die Aussicht angesichts des bedeckten Himmels allerdings nicht, was zumindest den Blick auf die La Plata Mountains trübt.

Das Rauhfußhuhn heißt hier Grouse

Das Rauhfußhuhn heißt hier Grouse

Der Weg verläuft nun stets auf der Grenze der Hermosa Creek Wilderness Area entlang einer Hangkante. Im steten Auf und Ab kreuzen wir dabei auch Immer wieder alte Forstwege. Nach gut elf Meilen (18 km) im 27. Segment wird es dann deutlich steiler und wir bezweifeln schon, dass es bei Meile 11,9 tatsächlich geeignete Plätze zum Zelten gibt. Zwischen diversen Baumstämmen finden wir aber doch noch ein relativ ebenes Plätzchen, das gerade groß genug ist für unser Nachtlager. Und das tãgliche Unwetter? Das lässt heute tatsächlich bis nach dem Abendessen auf sich warten.

Zum Indian Trail Ridge hinauf

Am nächsten Morgen soll es noch einmal hoch hinaus gehen. Wir wandern zunächst noch durch Waldgebiete bergauf, bis wir nach gut dreieinhalb Meilen (5,6 km) zum recht exponierten Indian Trail Ridge gelangen.

Es noch einmal auf über 3.750 Meter hinauf

Es noch einmal auf über 3.750 Meter hinauf

Durch Blumenwiesen und später auch über Schotterfelder geht es mit einer Kammwanderung auf dem Ridge weiter. Linker Hand blicken wir hinab in die Hermosa Creek Wilderness Area und am Horizont bilden die Gipfel der Rocky Mountains eine nicht enden wollende Bergkette.

Blick zurück auf das Indian Trail Ridge

Blick zurück auf das Indian Trail Ridge

Zur Rechten rückt hingegen noch einmal eine schroffe und deutlich näher gelegene Bergkette ins Blickfeld, die La Plata Mountains. Zu ihnen zählen unter anderem der 4.027 Meter hohe Hesperus Mountain, der Mount Moss mit 4.022 Metern und der Centennial Peak (3.977 m).

Blick auf die La Plata Mountains

Blick auf die La Plata Mountains

Schritt für Schritt nähern wir uns dem höchsten Punkt des Tages auf 3.752 Metern. Anschließend folgt eine kleine Gratwanderung zu einem zweiten Gipfel auf 3.736 Metern Höhe.

Der schmale Grat hinter dem High Point

Der schmale Grat hinter dem High Point

Abgesehen von ein paar Zwischenanstiegen geht es für uns nun nur noch abwärts auf dem Colorado Trail. Immerhin liegt Durango auf gerade einmal 2.000 Metern Höhe. Dabei führt uns der Weg zunächst zum Taylor Lake hinab, wo wir noch einmal Wasser filtern. Dann geht es relativ eben weiter zum Kennebec Trailhead.

Steiniger Abstieg vom Kennebec Pass

Steiniger Abstieg vom Kennebec Pass

Im 28. und letzten Segment des Colorado Trail sind es nur ein paar Meter bis zum Kennebec Pass, wo noch die Überreste einer alten Mine zu sehen sind. Anschließend folgt ein steiler Abstieg, zunächst über Geröll und ab der Baumgrenze dann wieder überwiegend auf Waldboden. Rechts ist in der Ferne bereits Durango zu sehen, doch bis dahin sind es noch ein paar Meilen und Höhenmeter. Wir laufen heute nur noch bis zur Champion Venture Mine Road weiter, schlagen dort unser Zelt auf und genießen noch ein wenig die Abendsonne.

Campsite an der Champion Venture Mine Road

Campsite an der Champion Venture Mine Road

Auf ein Thruhiker-Bier nach Durango

An der Champion Venture Mine Road brechen am nächsten Tag alle recht früh auf, denn die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei satten 90 Prozent. In der Tat hören wir bereits in den frühen Morgenstunden und nach einigen Metern auf dem Weg ein gehöriges Gewittergrollen hinter uns, doch zunächst bleibt es trocken. Der Colorado Trail führt uns auf recht einfach zu begehenden Pfaden durch die Fassbinder Gulch und am Gaines Gulch Wasserfall vorbei hinab in den Canyon des Junction Creek, den wir nach knapp fünf Meilen (7,5 km) auf einer Brücke queren.

Gudy's Rest hoch über dem Junction Creek

Gudy’s Rest hoch über dem Junction Creek

Hinter der Brücke geht es auf den folgenden vier Meilen noch einmal rund 300 Höhenmeter hinauf – zunächst recht steil, dann deutlich gemütlicher. Oben angekommen führt uns eine alte, und kaum noch erkennbare Minenstraße endgültig hinab in Richtung Durango. Eigentlich wollten wir heute noch einmal an der letzten Campsite, fünf Meilen vor dem Trailhead, übernachten. Doch als wir gegen zwei Uhr nachmittags dort ankommen, sind die Verlockungen von Bier & Burger dann doch zu groß. Wir beschließen also, noch fünf Meilen weiter zu laufen, und unsere Wanderung auf dem Colorado Trail bereits heute zu beenden.

Angekommen am südlichen Terminus des Colorado Trail

Angekommen am südlichen Terminus des Colorado Trail

Auf den letzten Meilen passieren wir noch Gudy’s Rest, einen fantastischen Aussichtpunkt hoch über dem Junction Creek, der an Gudy Gaskill erinnert, die maßgeblich an der Entstehung des Colorado Trail beteiligt war. Schließlich dauert es nicht mehr lange, bis uns die ersten Tageswanderer begegnen und zum erfolgreichen Thruhike gratulieren. Zwei von ihnen sind dann auch so nett, uns nach dem obligatorischen Photo am südlichen Terminus des Colorado Trail, nach Durango mitzunehmen. Und nach einer Dusche im Hotel geht es abends zum Feiern zur Carver Brewing Company. Dort bekommt nämlich jeder CT-Thruhiker ein Freibier: ein Colorado Trail Nut Brown Ale, für dass es sich (nicht nur laut Werbeplakat) auf jeden Fall lohnt, fast 500 Meilen durch die Rocky Mountains zu wandern.

Freibier für Colorado Trail Thruhiker

Freibier für Colorado Trail Thruhiker

Kleine Trail-Statistik: insgesamt haben wir in den fünf Tagen auf den Segmenten 25 bis 28 des Colorado Trail 119 Kilometer zurückgelegt und 3.548 Höhenmeter im Aufstieg sowie 4.757 Höhenmeter in Abstieg bewältigt. Im Durchschnitt macht dies pro Tag 23,8 Kilometer mit 710 Höhenmetern im Aufstieg und 951 Höhenmetern im Abstieg.

Basisinfos zum Colorado Trail

Der Colorado Trail ist ein 782 Kilometer langer Weitwanderweg in den USA. Auf Höhen zwischen 3.000 und 4.000 Metern führt er vom Waterton Canyon bei Denver durch die Rocky Mountains bis Durango und nutzt dabei zum Teil die gleichen Wege wie der Continental Divide Trail.

Bunt blühende Blumenwiese am Colorado Trail

Bunt blühende Blumenwiese am Colorado Trail

Der Colorado Trail ist in 28 Segmente unterteilt, deren Anfangs- und Endpunkte per Auto erreichbar sind. Komplett begehbar ist der Colorado Trail meist ab Anfang Juli bis Ende September. Zwischen Twin Lakes und dem South Fooses Ridge existieren zwei alternative Routen, die klassische Collegiate East und die spektakulärere Collegiate West Variante. Mountainbiker dürfen den Wanderweg ebenfalls nutzen, müssen die geschützen Wilderness Areas allerdings umfahren.

Von Deutschland aus erfolgt die Anreise am einfachsten über den internationalen Flughafen Denver (DEN). Ein Nonstop-Flug ab Frankfurt dauert dabei rund zehn Stunden. Aufgrund einer leichteren Akklimatisierung laufen die meisten Wanderer von Norden nach Süden. Die Anreise zum Wegbeginn am Waterton Canyon bei Denver erfolgt dabei mit der Regional Transportation District (RTD), die einen zum Mineral Park ’n‘ Ride bringt. Für die letzten zehn Meilen zum Waterton Canyon Trailhead nutzt man dann meist ein Taxi oder einen Wagen von Uber.

Buchtipp

The Colorado Trail GuidebookThe Colorado Trail - Official Guidebook
von The Colorado Trail Foundation (ISBN 978-1-937052-33-1)

Zur Vorbereitung auf den Colorado Trail empfiehlt sich das hervorragend aufbereitete Guidebook der Colorado Trail Foundation. Es bietet ausführliche Informationen zum Wandern, Reiten oder Biken auf dem Colorado Trail, beschreibt etwaige Probleme bei der Trinkwasser- oder Lebensmittel-Versorgung und geht auch auf Gefahren wie Gewitter oder Schwarzbären ein. Den Hauptteil macht allerdings die Beschreibung der 28 Segmente des Colorado Trails sowie der Collegiate West Route aus. Jedes Trail-Segment und dessen Besonderheiten sind dabei ausführlich beschrieben, Highlights schön bebildert und doppelseitige topographische Karten mit wichtigen Wegpunkten nebst GPS-Daten erleichtern die Planung der eigenen Wanderung.

Zusätzlich zum Guidebook ist das sehr kompakte The Colorado Trail Databook (ISBN 978-1-937052-25-6) erhältlich. Im Gegensatz zum umfangreicheren Guidebook listet das Databook lediglich alle Resupply-Optionen zum Nachkaufen von Lebensmitteln und alle wichtigen Wegpunkte der jeweiligen Trail-Segmente nebst Kilometrierung und Wegskizze. Für die Wanderung selbst reicht dieses Databook meist vollkommen aus.

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4 Kommentare

  1. Marilyn Palazzolo

    27. August 2017 at 0:54

    Great reading! I’m sure Jerry’s log won’t be this detailed so it was nice to be able to follow the trip this way! Thank you for traveling with my husband. He enjoyed your companionship very much!

  2. Herzlichen Glückwunsch! Ich habe den Blog immer mit Interesse verfolgt; eine tolle Wanderung.

    Arnd

    • Danke! War ein bisschen anstrengender als der Bibbulmun Track, aber es hat sich wirklich gelohnt. Und die Leute sind wirklich überaus nett und hilfsbereit zu allen Thruhikern.

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