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Dovrefjell in Norwegen – Wandern mit Moschusochsen

Keine Frage – die wild lebenden Moschusochsen sind die größte Attraktion des Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark in Norwegen. Auf einer Wanderung durch die karge Fjellregion dürfte fast jeder den schnellen Paarhufern begegnen.

Unsere rund 120 Kilometer lange Fernwanderung an der Grenze zwischen Süd- und Mittelnorwegen führte uns zunächst in den Rondane Nationalpark. Nachdem wir diesen von Rondvassbu bis Hjerkinn durchquert hatten, sollte es aber noch weitergehen. Nach einem Proviantkauf stand schließlich noch der Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark auf der anderen Seite des Gudbrandsdalen an. Diese Hochfjell-Region hat neben faszinierenden Steinlandschaften und Mooren vor allem zwei Attraktionen: Die Snøhetta, den höchsten Berg Norwegens außerhalb des Jotunheimen-Gebiets, und wild lebende Moschusochsen.

Die Snøhetta - Norwegens höchster Berg außerhalb Jotunheimens

Die Snøhetta – Norwegens höchster Berg außerhalb Jotunheimens

Durch den Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark

Auf dem Olavsweg geht es von Hjerkinn zur Nationalparkgrenze

Auf dem Olavsweg geht es von Hjerkinn zur Nationalparkgrenze

Von der Hjerkinn Fjellstue ist der Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark in einer Tagesetappe erreichbar. Der beste Weg führt Wanderer direkt von der Fjellstue aus in nördlicher Richtung über den Olavsweg nach Kongsvold. Ein kurzes Stück verläuft dieser Pilgerweg dabei zwar direkt neben der stark befahrenen Europastraße E6, aber insgesamt ist diese Variante trotzdem empfehlenswert.

Unser kurzer Trip auf dem Olavsweg endet an der Kongsvold Fjeldstue. Dieser historische Berggasthof lädt für einen Moment zum Verweilen ein und bietet zudem ein ausgezeichnetes Café. Die ältesten Gebäude der Anlage stammen aus dem Jahre 1720 und früher existierte in Kongsvold auch eine wichtige Poststelle.  Heute ist hier eine Forschungsstation für Botanik und Zoologie untergebracht und ein kleiner botanischer Garten zeigt die Artenvielfalt der Region.

Tipp: Wer es eilig hat, der erreicht Kongsvold auch mit der Dovrebanen oder im Sommer von Hjerkinn oder Dombås aus mit dem Bus. Zudem besteht eine Busverbindung vom Hjerkinnhus zur DNT-Hütte Snøheimen nahe der Snøhetta. Von dort aus bietet sich eine Wegvariante über den Gipfelbereich des 2.286 Meter hohen Bergs direkt zur Reinheim-Hütte im Dovrefjell an. Für uns kam diese verlockende Möglichkeit allerdings nicht in Frage, denn noch verlockender waren für uns die zottigen Moschusochsen. Und auf die trifft man vor allem zwischen Kongsvold und der Reinheim Hütte.

Reinheim – Geh mal weg Du Ochse!

Warnhinweis: Achtung Moschusrind - 200 Meter Abstand halten!

Warnhinweis: Achtung Moschusrind – 200 Meter Abstand halten!

Über die Europastraße hinweg und am hübschen Bahnhofsgebäude von Kongsvold vorbei, geht es schließlich zum Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark hinauf. Direkt am Parkeingang prangt auch gleich eine große Infotafel für Wanderer: „Achtung Moschusrind (…) Gehen Sie nicht näher als 200 Meter heran (…) Das Moschusrind greift nur in Selbstverteidigung an: Sie sind also selber Schuld, wenn ein Unfall passiert!“

Den Warnhinweis sollte man sich getrost zu Herzen nehmen, denn das „Moschusrind“ ist durchaus kein behäbiges Rindvieh. Die 225 bis 400 Kilogramm schweren Tiere gehören vielmehr zu den Ziegenartigen, sind dementsprechend geländegängig und bis zu 60 Stundenkilometer schnell. Die kälteliebenden Tiere waren in Europa bereits ausgestorben. Die rund 200 Exemplare im Dovrefjell stammen ursprünglich aus Grönland und wurden hier zwischen 1932 und 1953 mehrfach ausgewildert.

Mit Nebel und Nieselregen begrüßt uns das Dovrefjell

Mit Nebel und Nieselregen begrüßt uns das Dovrefjell

Nun gut, denken wir uns, und gehen den Aufstieg an. All zu weit kamen wir an diesem Nachmittag allerdings nicht mehr, denn kurz vor der Baumgrenze fängt es heftig an zu regnen. Und da wir gerade eine wunderschöne Wiese passieren, beenden wir unsere Tagesetappe halt etwas früher.  In der Nacht schrecken wir dann beide kurz auf und lauschen gespannt, was sich da rund ums Zelt bewegt. Irgendetwas stapft da umher. Irgendetwas Schweres. Ganz sicher sind wir uns zwar bis heute nicht, aber die Geräusche deuten doch arg darauf hin, dass einer der Moschusochsen die Wiese ebenso einladend findet wie wir. Meine Liebste ist sich da aber plötzlich gar nicht mehr so sicher und liegt erst einmal mit Herzklopfen im Schlafsack.

Der mächtige Mochusochse stand mitten auf dem Weg

Der mächtige Mochusochse stand mitten auf dem Weg

Am nächsten Tag geht es dann durch Nebel und Nieselregen hinauf in die Hochebene. Einige Kilometer weiter klart es etwas auf und entgegenkommende Wanderer kündigen uns die ersten Moschusochsen an. Ein paar Hügel dahinter entdecken wir im Stroplsjødalen dann auch wirklich eine Dreiergruppe, die etwas unterhalb von uns grast.

Auf dem Weg zur DNT-Hütte Reinheim begegnen wir noch mehreren Einzelgängern. Und der letzte dieser Moschusochsen entpuppt sich dann als echtes Weghindernis. Der mächtige Bulle steht mitten auf dem Weg. Rechts liegt ein kleiner See und links geht es relativ schnell einen Abhang hinunter. Für uns heißt es also warten. Und warten. Bis schließlich der Regen einsetzt und das zottige Urvieh zumindest so viel Raum freigibt, dass wir uns geradeso daran vorbei trauen. Dank dieses kleinen Verkehrsstaus kommen wir dann natürlich klatschnass an der Reinheim Hütte an.

Eine Gruppe Moschusochsen auf dem Weg zur Reinheim Hütte

Eine Gruppe Moschusochsen auf dem Weg zur Reinheim Hütte

Loennechenbua – Mach Dich klein!

Angesichts des Wetters hat sich für uns am nächsten Morgen ein Aufstieg zur Snøhetta endgültig erledigt. Wer sich für die Besteigung der Snøhetta interessiert, der findet allerdings im Blog von Nicole auf Ausreisserin.de einen sehr schönen Bericht. Wir wählten für den weiteren Weg zur Åmotdalshytta stattdessen eine Route, die zunächst dem Fluss Stropla bis zu dessen Ursprung bei Leirpullskaret folgt.

Übers Wasser - von Stein zu Stein

Übers Wasser – von Stein zu Stein

Viel zu sehen gibt es für uns leider nicht, denn Nieselregen und Nebel halten sich hartnäckig. Das triste Grau lichtet sich erst, nachdem wir einen mehr als 1.500 Meter hohen Pass überqueren, den höchsten Punkt unserer Norwegen-Tour. Auf der anderen Seite geht es dann gemächlich den Hang hinunter bis wir schließlich die Åmotdalshytta erreichen.

Der nächste Tag geht überwiegend durch Steinwüsten. Und dort, wo das Geröll dann doch einmal dem spärlichen Bewuchs Platz gelassen hat, ist es meist morastig. Irgendwann stoßen wir auf einen Fluss, der zwar nicht wahnsinnig tief, aber mehr als 100 Meter breit ist. Rätsel ratend stehen wir erst einmal da und überlegen, wo es wohl weitergeht. Irgendwann entdecken wir dann aber doch eine verwaschene Wegmarkierung. Und in der Tat: es geht von Stein zu Stein quer übers Wasser.

Loennechenbua - die kleinste DNT-Hütte im Dovrefjell

Loennechenbua – die kleinste DNT-Hütte im Dovrefjell

Wenig später erreichen wir bereits die DNT-Hütte Loennechenbua am Ufer des Sees Litlvatnet. Und: Wir haben Glück! Die Mini-Hütte mit zwei Betten und zwei zusätzlichen Notschlafplätzen ist tatsächlich leer. Also ducken wir uns brav, treten ein und entfachen erst einmal ein Feuer, um unsere Klamotten zu trocknen.

Gammelsetra – Der große Abstieg

Riesige Geröllbrocken am Ufer des Litlvatnet

Riesige Geröllbrocken am Ufer des Litlvatnet

Die Loennechenbua Hütte liegt zwar bildhübsch, doch der Uferbereich des Litlvatnet entpuppt sich am nächsten Tag als echter Zeitfresser. Nur mühsam geht es hier über riesige Blockmeere mit mannshohen Geröllbrocken voran. Kurz hinter dem Litlvatnet wird der Weg zumindest etwas angenehmer und es folgt der „große See“ der heutigen Etappe, der Storvatnet. Hinter dem See zweigt der Weg schließlich nach rechts ab und es beginnt der Abstieg ins Tal.

Mit jedem Meter, den wir an Höhe verlieren, weicht nun das Grau der Hochfjell-Steinwüste mehr und mehr frischem Grün. Teilweise hat die Landschaft schon fast einen alpenländischen Charakter. Über mehrere, teils überbrückte Bäche geht es hinab zur Baumgrenze. Nach einer kurzen Rast, bei der wir endlich die ersten Blaubeeren dieser Wanderung genießen können, gehen wir schließlich den Rest des Abstiegs an, um zum  200 Jahre alten Sennhof Gammelsetra zu gelangen, wo wir heute noch einmal zelten wollen.

Das idyllische Hochplateau am Svarthaugvatna

Das idyllische Hochplateau am Svarthaugvatna

Am letzten Tag unserer 120 Kilometer langen Norwegen-Wanderung geht es zunächst nördlich der DNT-Hütte Gammelsetra zum Svarthaugvatna auf 1.177 Metern hinauf. Nachdem wir das idyllische Hochplateau überquert haben, folgt der große Abstieg über Sandlykkja nach Gjøra. Da es inzwischen wieder mal regnet, müssen wir unterhalb der Baumgrenze ganz schön aufpassen, denn in dem steilen Hang gibt es auf dem glitschigen Wurzelwerk auch mit Trekkingstöcken kein Halten mehr. Im Tal angekommen, bauen wir erst einmal unser Zelt am Gjøra Kro & Camping auf und genießen dann wieder Komfort wie kostenloses WLAN im Zelt.

Hütten-Tipp – Die Proviantlager des DNT

Was in Deutschland der Alpenverein ist, ist in Norwegen der Wanderverein Den Norske Turistforening (DNT), der mehr als 480 Hütten unterhält. Einige davon gleichen kleinen Berghotels, andere sind zur Selbstbewirtschaftung beziehungsweise unbewirtschaftet und stehen nur DNT-Migliedern mit Hüttenschlüssel zur Verfügung. Im Gegensatz zu den Selbstversorger-Hütten des Alpenvereins haben die selbstbewirtschafteten DNT-Unterkünfte vor allem einen Vorteil: sie verfügen über ein Proviant-Lager!

Der alte Sennhof Gammelsetra wird als DNT-Hütte genutzt

Der alte Sennhof Gammelsetra wird als DNT-Hütte genutzt

Viele Norweger nehmen deshalb lieber ein dickes Buch mit auf die Hütte, als sich mit schwerem Proviant abzuschleppen. Wer ebenfalls leichter unterwegs sein will, der sollte deshalb auch eine DNT-Mitgliedschaft in Erwägung ziehen und sich vor der Abreise gegen 20 Euro Pfand einen Hüttenschlüssel besorgen. Wanderern mit Zelt stehen die Proviantlager selbstverständlich ebenfalls zur Verfügung.

Anreise ins Dovrefjell-Gebiet

Die Anreise zum Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark erfolgt über die Bahnlinie Oslo-Trondheim mit der Dovrebanen. Als Einstiegspunkte in den Park bieten sich dabei die Bahnhaltepunkte Kongsvold und Hjerkinn an. Während Ihr ab Kongsvold sofort loswandern könnt, bringen Euch von Hjerkinn aus Lokalbusse ins Wandergebiet. Wer wie wir bis Gjøra laufen will, der hat dort am örtlichen Supermarkt Anschluss an Buslinien zum Dovrebanen-Haltepunkt Oppdal oder über Sunndalsøra nach Åndalsnes und Kristiansund.

Weitere Tipps und Links zur Region findet Ihr im Beitrag Wandern im Rondane Nationalpark in Norwegen, der die erste Hälfte unserer Wanderung beschreibt.

Moskussafari på Dovrefjell

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Buchtipp

Traumtreks NorwegenDer Wanderführer Traumtreks Norwegen von Alwig Derstvenscheg
von Alwig Derstvenscheg (ISBN 978-3-7654-5828-6)
Uns ist bislang kein deutscher Wanderführer speziell für den Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark bekannt. Auf unserer Norwegen-Wanderung im August 2013 hatten wir für die Dovrefjell-Region lediglich die Broschüre „Der Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark“ mit dabei, die im Internet kostenlos als PDF-Dokument verfügbar ist. Wer es etwas detaillierter mag, der findet im Wanderführer „Traumtreks Norwegen“ von Alwig Derstvenscheg 20 Touren zwischen Skagerrak und Nordkap. Die knapp beschriebenen, aber schön bebilderten Routen umfassen unter anderem eine 103 Kilometer lange Tour durch das Dovrefjell und zwei jeweils 4-tägige Wanderungen im Rondane-Nationalpark mit Distanzen von 61 beziehungsweise 71 Kilometern.

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3 Kommentare

  1. Tolle Fotos von einer der schönsten Gegenden Europas! Ich war selbst vor einiger Zeit im Dovrefjell unterwegs (http://www.breitengrad66.de/2013/09/01/trekking-unter-moschusochsen/) und habe mich an einigen Stellen wunderbar an meine Tour zurück erinnert.
    Sonnige Grüße
    Thomas

    • Ja, obwohl wir im Dovrefjell fast immer zumindest leichten Regen hatten, sind die Bilder noch halbwegs brauchbar. Ihr hattet da wohl etwas mehr Glück und vom Hüttendach aus auch jede Menge Zeit für gute Moschusochsen-Fotos 😉

  2. Die Fotos sind echt ein Traum! Ich war vor vielen Jahren dort, allerdings immer nur als Tagestour unterwegs und bei Kälte und Regen. Die Natur ist einfach beeindruckend schön. Danke für den schönen Bericht!

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