Hainichlandweg: Wegweiser durch den Hainich-Urwald

Hainichlandweg – Wandern im Eichsfeld, Werratal und Hainich

Auf dem Hainichlandweg stürmen wir die Burgruine Haineck und die Creuzburg im Werratal. Wir wandern ins Wildkatzendorf, streifen dabei immer wieder den Kernbereich des Nationalparks Hainich, und laufen zum Abschluss unserer 130 Kilometer langen Rundwanderung auf die Wartburg in Eisenach.

Hainichlandweg: Das Grenzhaus in Heyerode
Grenzhaus in Heyerode

Wir rüsten uns für den zweiten Teil unserer Wanderung auf dem Hainichlandweg. Auf den restlichen 70 Kilometern unserer Rundwanderung durch das Unesco-Weltnaturerbe Hainich liegen noch einige Highlights der thüringer Welterberegion: Die Werrabrücke in Creuzburg mit der Liboriuskapelle, alte Fachwerk-Schlossbauten und natürlich die überaus scheuen Wildkatzen der letzten Urwälder Europas.

Am Abend zuvor hat es noch kräftig geregnet, deshalb erkunden wie nach dem Frühstück im Landgasthof Alter Bahnhof noch ein wenig die Umgebung. Neben dem Bahnhof der Vogteier Bimmelbahn besichtigen wir auch das im Jugendstil errichtete Kurhaus, eine früher sehr beliebte Ausflugsgaststätte. Wenige Meter weiter steht das Grenzhaus, das einst das Ende des Mühlhäuser Landgrabens markierte. Dann geht es aber endlich los, denn heute stehen mehr als 25 Kilometer auf dem Programm!

Hainichlandweg: Das Kurhaus in Heyerode
Hainichlandweg: Das Kurhaus in Heyerode

Unsere heutige Etappe beginnt am Kurhaus in Heyerode, wo wir auf den Rennstieg gelangen, den kleinen Bruder des berühmten Rennsteigs. Die ersten Meter unserer Wanderung gehören zu den schöneren Abschnitten des Rennstiegs, denn hier präsentiert sich der alte Lauf- und Botenweg noch mit naturnahen Wanderpfaden.

Hainichlandweg: Von Heyerode über Probstei Zella nach Creuzburg wandern

Hainichlandweg: Schnecke beim Frühstück
Schnecke beim Frühstück

Auf dem Rennstieg wandern wir zunächst am Hachelberg (455 m ü. NHN) vorbei weiter durch den Naturpark Werra-Eichsfeld-Hainich. Bis zur Ritzhäuser Ladestelle, wo früher das Holz gesammelt und für den Abtransport vorbereitet wurde, bleiben die Pfade recht schmal.

Dann geht es auf breiten Forstwegen weiter und wenig später erreichen wir den Jakob-Hartung-Gedenkstein. Eine kleine Inschrift erinnert hier an einen Förster, der im Oktober 1702 Holzdiebe aus Hallungen überraschte und von ihnen ermordet wurde.

Hainichlandweg: Auf dem Hainich Rennstieg hinter Heyerode
Hainichlandweg: Auf dem Hainich Rennstieg hinter Heyerode

Wir folgen dem geschotterten Forstweg, umschiffen einen Holzlaster und laufen am Winterstein (468 m ü. NHN) und dem Gebrannten Kopf (455 m ü. NHN) vorbei. Über die Wasserscheide zwischen Werra und Unstrut geht es weiter zur Landstraße zwischen Nazza und Langula.

Früher stand an dieser Kreuzung die bekannte Struppeiche, doch der alte Baumveteran wurde wegen Altersschwäche längst gefällt. Wir folgen dem Rennsteig noch weitere 1,5 Kilometer, biegen dann nach rechts ab und wandern auf dem Hainichlandweg in westlicher Richtung weiter.

Hainichlandweg: Herbststimmung im Hainich
Hainichlandweg: Herbststimmung im Hainich

Am Rande des Hainichhöhenzugs erreichen wir – nun wieder auf schmaleren Pfaden – die Burgruine Haineck. Die um 1392 errichtete und sehr schön restaurierte Anlage diente der Landgrafschaft Thüringen einst als Schutzburg gegen die räuberischen Übergriffe des kurmainzischen Eichsfeldes und der freien Reichsstadt Mühlhausen.

Aus einem Loch im westlichen Turm ragt ein roter Zopf. Rapunzels Haar ist aber zum Glück nicht der einzige Weg hinauf auf den 18 Meter hohen Turm. Wir nutzen stattdessen eine Wendeltreppe im Innenhof der Burg, um die Aussicht ins Werratal und zum Thüringer Wald zu genießen.

Hainichlandweg: Die Burgruine Haineck hoch über Nazza
Hainichlandweg: Die Burgruine Haineck hoch über Nazza

Dann geht es bergab nach Nazza. Vorbei an den Resten des Schloss der Herren von Hopfgarten laufen wir auf der anderen Seite des Ortes über die Felder zum Eselskopf (468 m ü. NHN) und schließlich ins „Paradies“. Kurz hinter dem Waldrand würden wir uns beim nächsten mal allerdings für den naturnäheren Pfad entlang des Bachlaufs entscheiden.

Wir wandern hingegen auf der offiziellen Variante des Hainichlandwegs und folgen dem geschotterten Forstweg ins Werratal. Ein kleines Highlight hält der Weg für uns dann aber doch noch bereit: Eine Blindschleiche!

Schließlich erreichen wir die Werra und das ehemalige Kloster Probsteizella. Die idyllisch gelegene Anlage zwischen Fels und Fluss wird heute als Landgasthof und Campingplatz genutzt. Da wir bereits mehr als die Hälfte unserer Tagesetappe hinter uns haben, machen wir hier natürlich erst mal Rast bei einem Bierchen auf der Terrasse.

Auf dem Werratal-Radweg geht es dann entlang der markanten Felsen des Naturschutzgebiets Probsteizella nach Frankenroda. Dort erwartet uns eine kleine Überraschung: Die alte Panzerbrücke ist wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt. Irgendwie müssen wir aber über die Werra. Also schummeln wir uns durch den Bauzaun ans andere Ufer.

Hainichlandweg: Die Werra bei Frankenroda
Hainichlandweg: Die Werra bei Frankenroda

Am Carl-Grübel-Denkmal genießen wir noch einmal den Blick über den Fluss. Dann geht es wieder bergauf und wir naschen ein wenig an den Obstbäumen rechts und links des Schotterwegs. Durch ein Waldstück gelangen wir hinter einem Schotterwerk zum Aussichtspunkt am Räuberturm, um den herum es aussieht, als wäre heute Sperrmüll.

Da auch der Himmel immer dunkler wird, laufen wir zügig weiter. Etwa 400 Meter hinter dem Örtchen Scherbda kommen wir zum Naturdenkmal Stadtbergbuche. Der Legende nach soll der Verwalter des Gutes Scherbda hier einen Leibeigenen erschlagen haben. Der Vater des Opfers pflanzte zum Gedenken die heute 200 bis 250 Jahre alte „Mordbuche“.

Hainichlandweg: Der Baumveteran Stadtbergbuche bei Scherbda
Hainichlandweg: Der Baumveteran Stadtbergbuche bei Scherbda

Vier Kilometer vor dem Tagesziel ist es dann so weit: Es beginnt zu regnen. Schade, eigentlich hatten wir noch einen Abstecher zu den Werrahängen im Naturschutzgebiet Ebenauer Köpfe eingeplant, die einen fantastischen Blick auf das Tal bieten sollen. Das schenken wir uns nun!

Stattdessen geht es jetzt mit Regenrock bewaffnet schnellstens weiter, denn die Wolken werden dunkler und dunkler. An Wacholderbüschen vorbei laufen wir zum für seinen Orchideen­reich­tum bekannten Wisch.

Hainichlandweg: Im Regen hinab nach Creuzburg im Werratal
Hainichlandweg: Im Regen hinab nach Creuzburg im Werratal

Mut­ter­see­len­al­lein wandern wir auf der Trasse vom Jakobsweg Via Scandinavica, Lutherweg Thüringen und Naturparkweg Leine-Werra Richtung Tagesziel. Kurz vor Creuzburg flüchten wir vor dem inzwischen recht starken Regen noch einmal in das älteste Kirchengebäude der Stadt.

Die Gottesackerkirche, auch Marienkirche genannt, war bis 1981 noch als Gottesdienststätte in Gebrauch. Heute wird sie als Ausstellungsort für den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal genutzt.

Hainichlandweg: Die Marienkirche (Gottesackerkirche) in Creuzburg
Hainichlandweg: Die Marienkirche (Gottesackerkirche) in Creuzburg

Wir saugen die Stimmung in uns auf und nehmen dann die letzten Meter zu unserer Unterkunft in Angriff. An der Torklause vorbei geht es nun nur noch den Burgberg hinauf. Durch das Osttor erreichen wir schließlich den Innenhof der Burg Creuzburg.

Die mittelalterliche Höhenburg liegt auf einer Anhöhe oberhalb der Stadt (225 m ü. NHN) und ist als „Schwesterburg der Wartburg“ bekannt. Im Burghof bewundern wir noch die mächtige Sommerlinde, die rund 500 Jahre alt sein soll. Dann geht es schnurstracks ins Hauptgebäude, denn im Hotel Burg Creuzburg lockt eine warme Dusche!

Hainichlandweg: Im Hof der Burg Creuzburg
Hainichlandweg: Im Hof der Burg Creuzburg

Wieder aufgewärmt schleichen wir doch noch mal aus unserer „Kemenate“ in luftiger Höhe hinab ins Restaurant. Dort sehen wir auch, dass wir heute noch vergleichsweise gut durch den Regen gekommen sind. Die Radler-Fraktion sitzt jedenfalls nur noch in Unterwäsche am Essenstisch …

Hainichlandweg: Von Creuzburg ins Wildkatzendorf Hütscheroda wandern

Hainichlandweg: Die Nikolaikirche im verregneten Creuzburg
Die Nikolaikirche im Regen

Am nächsten Morgen sieht das Wetter leider nicht besser aus: Es kübelt wie aus Eimern! Als wir in einer kleinen Metzgerei unterhalb der Burg kurz Halt machen, bildet sich um uns herum schon eine Pfütze. Zu Tagesbeginn dann auch gleich noch ein kleiner Landesverrat: Statt Thüringer Würsten nehmen wir Ahle Wurst, eine luftgetrocknete Dauerwurstspezialität aus dem benachbarten Ringgau in Nordhessen.

Wir besichtigen noch kurz die Nikolaikirche, eine der ersten evangelischen Kirchen in ganz Thüringen, und dann geht es endgültig los. Wir wandern an der Alten Posthalterei vorbei zur siebenbogigen Werrabrücke, der ältesten Natursteinbrücke nördlich des Mains.

Hainichlandweg: Die Creuzburger Werrabrücke mit der Liboriuskapelle
Hainichlandweg: Die Creuzburger Werrabrücke mit der Liboriuskapelle

Am anderen Ende der Brücke liegt die – heute leider verschlossene – Liboriuskapelle und das einzigartige Ensemble am Werraufer zieht uns sogar noch im Regen in seinen Bann. Wie muss das mit den herbstlichen Farben erst bei gutem Wetter wirken?

Hinter der Kapelle zweigt der Hainichlandweg links ab und führt uns auf einem breiten Waldweg allmählich bergan. Nach dem kleinen Wäldchen zweigt rechts ein Pfad zu einem Aussichtspunkt ab. Die Sicht ist heute zwar mehr als bescheiden, aber auf diese Weise erhaschen wir zumindest noch einen letzten Blick auf die sehenswerte Kulisse von Creuzburg.

Hainichlandweg: Leichter Anstieg auf schönem Waldweg bei Creuzburg
Hainichlandweg: Leichter Anstieg auf schönem Waldweg bei Creuzburg

Durch das Naturschutzgebiet Klosterholz und Nordmannssteine geht es weiter leicht bergauf, bis wir nach rund drei Kilometern den Scheitelpunkt erreichen. Auf Feldwegen, und die trockenen Fleckchen zwischen den Pfützen suchend, wandern wir nun nach Mihla.

Der kleine Ort blickt auf eine 1200-jährige Vergangenheit zurück, doch im Regen wirken die Sehenswürdigkeiten ein wenig trist. Wir passieren das Rote Schloss, das in Westthüringen zu den besterhaltenen Fachwerk-Schlossbauten der Renaissance zählt, und gelangen wenig später ans Graue Schloss aus dem 16. Jahrhundert.

Hainichlandweg: Feldweg zwischen Creuzburg und Mihla
Hainichlandweg: Feldweg zwischen Creuzburg und Mihla

An der barocken Martinskirche, die mit ihrem niedrigen Turm des romanischen Vorgängerbaus recht kurios wirkt, queren wir die Straße. Nun sind es noch rund drei Kilometer bis zum Urwald-Life-Camp, einer Jugendherberge mit Zeltplatz. Wenige Meter weiter gelangen wir kurz vor der alten Zollbank wieder in den Nationalpark Hainich.

Durch den Wald geht es auf dem Bummelkuppenweg hinab in den Kalkgrund und dann weiter nach Bischofroda. Am Schloss, in dem die Gemeindeverwaltung untergebracht ist, lässt der Regen dann endlich ein wenig nach. Doch ein Übel löst das andere ab, denn jetzt geht es auf asphaltierten Feldwegen weiter nach Berka vor dem Hainich.

Liste   

Information
Schaltfläche oder Kartenelement anklicken um weitere Informationen anzuzeigen.
Lf Hiker | E.Pointal contributor

Hainichlandweg - Weltnaturerbe Hainich   

Profil

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Keine Höhendaten
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimale Höhe: Keine Daten
Maximale Höhe: Keine Daten
Höhenmeter (aufwärts): Keine Daten
Höhenmeter (abwärts): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Wir besichtigen die kleine Kirche des Ortes und wandern dann schnurstracks hinauf zum Lohberg (424 m ü. NHN). Der Wind bläst nun recht kräftig, schiebt aber die Wolken beiseite und in der Ferne sehen wir tatsächlich schemenhaft die Wartburg in Eisenach.

Auf geschotterten Wegen geht es am Waldrand entlang weiter zum Naturdenkmal Dicke Eiche. Die mächtige Stieleiche mit fast sechs Metern Stammumfang ist schon von Weitem zu sehen, und markiert den Abzweig zum rund 400 Meter entfernten Aussichtsturm „Hainich-Blick“.

Hainichlandweg: Aufstieg am Lohberg bei Berka vor dem Hainich
Hainichlandweg: Aufstieg am Lohberg bei Berka vor dem Hainich

Da nun endlich wieder die Sonne lacht, nehmen wir auch den Abstecher zum Hainich-Blick noch mit. Und der 20 Meter hohe Turm am Heidelberg (456 m ü. NHN) ist in der Tat ein Höhepunkt. Das Farbenspiel des Hainich und der Blick über den Thüringer Wald, das Werra-Bergland und in die Thüringer Rhön sind einfach atemberaubend.

Infotafeln am Fuße des Turms zeigen zudem, wie schnell die Natur hier den ehemaligen Truppenübungsplatz zurückerobert. Der künstlich aufgeschüttete Hügel des „Generalsblick“ wurde nämlich schon von Offizieren der Wehrmacht und später von der Roten Armee genutzt, um die hier abgehaltenen Manöver zu beobachten.

Hainichlandweg: Die Aussichtsplattform Hainich-Blick
Hainichlandweg: Die Aussichtsplattform Hainich-Blick

Nach unserem Abstecher geht es zurück zum Hainichlandweg und dann durch den Wald zur Wüstung Heßwinkel, die 1976 aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage aufgegeben wurde. Rechts und links des Wegs locken nun zahlreiche Skulpturen. Die Kunstwerke sind Teil des Skulpturenwegs, dem wir nun bis Hütscheroda folgen.

Das rund 70 Einwohner zählende Dörfchen Hütscheroda ist vor allem für seine Wildkatzen­scheune und das Schau­gehege bekannt. Beides hat bei unserer Ankunft aber natürlich längst geschlossen. Also geht es für uns gleich weiter ins „Zentrum“, zum 1680 erbauten Herrenhaus.

Hainichlandweg: Das Herrenhaus des Hofgutes Hütscheroda
Hainichlandweg: Das Herrenhaus des Hofgutes Hütscheroda

Im Hotel zum Herrenhaus gönnen wir uns erst mal ein Bierchen auf der Gartenterrasse. Der Kellner schaut uns zunächst recht verdutzt an – draußen hat heute wohl noch niemand gesessen. Na und?! Es ist zwar kühl, aber immerhin ist es nun wieder trocken und sonnig – Prost!

Hainichlandweg: Von Hütscheroda zum Forsthaus Thiemsburg wandern

Hainichlandweg: Maus im Wildkatzendorf Hütscheroda
Lebendfutter?

Am nächsten Morgen lassen wir es gemütlich angehen, denn das Wildkatzendorf Hütscheroda öffnet erst um zehn Uhr. Bevor es mit der ThüringenCard zur Schaufütterung geht, besichtigen wir noch die kleine Ausstellung in der Wildkatzenscheune. Dort erfahren wir natürlich jede Menge über „Deutschlands kleine Tiger“, lernen aber auch das BUND-Projekt Rettungsnetz Wildkatze näher kennen.

In diesem Projekt engagieren sich hunderte Menschen für die Wildkatze (Felis silvestris). Sie informieren, sammeln Haarproben und pflanzen grüne Korridore. Diese Korridore verbinden bislang getrennte Waldgebiete, damit sich die Wildkatzen wieder neue Lebensräume erschließen können. Hier in Thüringen verbindet der erste grüne Korridor übrigens den Nationalpark Hainich mit den Hörselbergen und dem Thüringer Wald.

Hainichlandweg: Wildkatze im Wildkatzendorf Hütscheroda
Hainichlandweg: Wildkatze im Wildkatzendorf Hütscheroda

Gegen elf Uhr geht es weiter zum 800 m² großen Schau­gehege Wildkatzen­lichtung. In Einzelgehegen sind hier vier Wildkatzen zu sehen, die normalerweise die Nähe zum Menschen strikt meiden: Carlo, Toco, Emil und Franz. Das ist aktuell eine reine Männerwirtschaft, denn in Deutschland gibt es keine Auswilderungsprojekte und die Abgabe junger Katzen an Zoos will man hier bewusst vermeiden.

Pünktlich zur Fütterung setzt der Regen ein. Die Wildkatzen juckt das weniger als uns. Sie machen sich über ihr Frühstück her: Mäuse, Eintagsküken und Rinderherz. Am 2019 neu eingerichteten Luchsgehege haben wir weniger Glück: Kaja und Looki lassen sich nicht blicken. Am Tag zuvor war der Tierarzt vor Ort, und den mögen die beiden Luchse (Lynx) gar nicht. Jetzt sitzen sie wohl in der hintersten Ecke des Geheges und schmollen …

Hainichlandweg: Auf dem Hainich Rennstieg am "Alten Berg"
Hainichlandweg: Auf dem Hainich Rennstieg am „Alten Berg“

Jetzt sollten wir uns aber sputen! Am Forsthaus Thiemsburg müssen wir schließlich den letzten Bus nach Eisenach erwischen, und bis dahin sind es noch rund 18 Kilometer. Der Regen lässt wieder nach und Behringen ist schnell erreicht. Hier führt uns der Hainichlandweg aber schnurstracks am Ort vorbei, so dass wir kaum etwas vom Schloss mitbekommen.

Hainichlandweg: Das Craulaer Kreuz (Nachbildung des Originals)
Das Craulaer Kreuz

Hinter dem Ort führt uns der Rennstieg wieder in den Wald. Es geht stramm bergauf zum Alten Berg (494 m ü. NHN), dem höchsten Punkt im Hainich. Wir passieren das Baumeisterkreuz, kommen an zahlreichen Schopf-Tintlingen (Coprinus comatus) vorbei und erreichen schließlich das Craulaer Kreuz. An der Nachbildung des alten Steinkreuzes, dem das Kopfteil und ein Arm fehlen, verabschieden wir uns endgültig vom Hainich Rennstieg.

Bis hier waren wir nun so schnell unterwegs, dass wir sogar noch in der urigen Hainichbaude einkehren können. Wir entscheiden uns für das vegane Tagesgericht: Kaltes Schaumsüppchen von Hopfen und Gerste.

Hainichlandweg: Über die Felder von der Craulaer Baude zum Steingraben
Hainichlandweg: Über die Felder von der Craulaer Baude zum Steingraben

Wind kommt auf und der Himmel wird auch wieder dunkler. Also nehmen wir die letzten Meter des Hainichlandwegs in Angriff. Mit Weitblick bis Bad Langensalza geht es über die Wiesen hinab zum Steingraben.

Auf unserem Weg entlang des nur selten wasserführenden Bachs müssen wir so langsam Abschied nehmen vom Hainich. Bei einem letzten Craft-Beer im Forsthaus lassen wir unsere knapp 130 Kilometer lange Rundwanderung dann noch einmal Revue passieren.

Auch wenn das Wetter oft nicht mitgespielt hat: Der Hainich hat uns sehr gut gefallen. Der Hainichlandweg führt zwar oft über geschotterte Forststraßen oder gar asphaltierte Wege, ist aber trotzdem wandernswert. Und eines ist ganz klar: Wer den Nationalpark Hainich sechs Tage lang zu Fuß erkundet, der wird ihn einfach viel intensiver erleben.

Welterberegion: Vom Hainich zur Wartburg in Eisenach

Eisenach: Das Lutherdenkmal auf dem Karlsplatz
Eisenach: Das Lutherdenkmal

Eines war uns von vornherein klar: Für die Rückreise erreichen wir unser Ziel am letzten Wandertag viel zu spät. Deshalb fahren wir mit dem Bus zunächst ins benachbarte Eisenach. Nach einer Übernachtung im Hotel Kaiserhof geht es am nächsten Tag zum zweiten Highlight der Welterberegion: Hinauf zur Wartburg. Wir laufen am Schmalen Haus vorbei und wählen für den Aufstieg den Reuterweg (auch Hainweg).

Die Wartburg, einst Zentrum geistiger Hochkultur und Zufluchtsort Martin Luthers, gilt als „die deutscheste aller Burgen“. Sei’s drum: Sie ist einfach schön! Wir zücken unsere ThüringenCard, nehmen an der Führung durch den Palas teil, besichtigen den Festsaal und lassen uns auch genügend Zeit für das Museum und die berühmte Lutherstube. Nach einem Schmand-Kuchen mit Mohn laufen wir über den Luthererlebnispfad schließlich wieder hinab nach Eisenach.

UNESCO-Weltkulturerbe: Die Wartburg über Eisenach
UNESCO-Weltkulturerbe: Die Wartburg über Eisenach

Bevor es wieder nach Hause geht drehen wir noch eine Runde durch die Stadt: Dabei laufen wir am Schwarzen Brunnen vorbei bis zum Hellgrevenhof, dem ältesten Bürgerhaus Eisenachs. Wir besuchen Sebastian Bachs Taufkirche, die Georgenkirche, und auch das Museum Lutherhaus. Schließlich schlendern wir am Rathaus vorbei zum Lutherdenkmal und laufen durch das Nikolaitor weiter zum Bahnhof. Spaß hat’s gemacht!

Hainichland Logo

Hainichlandweg

Der 2012 eröffnete Hainichlandweg führt Wanderer zu den letzten Überbleibseln der Urwälder Mitteleuropas. Im Städtedreieck Mühlhausen – Bad Langensalza – Eisenach windet sich dieser knapp 130 Kilometer lange Rundwanderweg durch den Wartburgkreis und Unstrut-Hainich-Kreis. Dem roten Punkt auf weißem Quadrat folgend durchqueren Fernwanderer dabei den als Unesco-Weltnaturerbe ausgezeichneten Nationalpark Hainich in Thüringen und das Tal der Werra.

Der Hainichlandweg wurde auf vorhandenen Wegen ausgewiesen und nutzt Naturpfade, Forstwege sowie – teils asphaltierte – Wirtschaftswege. Die Anforderungen eines Premiumwanderweg erfüllt diese Wanderung bislang noch nicht. Sieben Etappen sehen die meisten Beschreibungen des Hainichlandwegs für diesen aus unserer Sicht recht leichten Fernwanderweg vor. Wir haben uns für den Hainichlandweg im Herbst 2019 knapp sechs Tage Zeit genommen.

Hainichlandweg-Wanderführer von Iris Henning
© Hainichland UG

Buchtipp

Hainichlandweg
von Iris Henning
Hainichland UG

In diesem Wanderführer stellt Iris Henning den Hainichlandweg auf 220 Seiten vor. Wir hatten keine Möglichkeit, diesen Wanderführer näher zu prüfen, doch die Leseprobe klingt vielversprechend. Die Autorin hält sich nicht an die üblichen sieben Etappen, sondern lässt sich mit neun Tagen deutlich mehr Zeit für den Hainichlandweg. Dafür bietet Sie neben der bloßen Wegbeschreibung aber auch zahlreiche „Pausenstopps“, bei denen Sie auf Geschichten und Sehenswürdigkeiten am Wegesrand eingeht. Das Buch aus dem Jahr 2013 ist nicht über den Buchhandel, sondern nur über den Verlag erhältlich.

Über die KKV Kartographische Kommunale Verlagsgesellschaft mbH ist zudem eine wetterfeste Rad- und Wanderkarte im Maßstab 1:35.000 mit Zuwegen, Höhenprofil und UTM-Gitter für die GPS-Nutzung verfügbar. Aus unserer Sicht ist eine Karte aber nicht notwendig: Der Weg ist mit rund 300 Wegweisern bestens markiert – verlaufen kann man sich kaum.

Jetzt Teil 1 unseres Wanderberichts lesen!

Hainichlandweg – Wandern im Unesco-Weltnaturerbe Hainich

Linktipp

Werbung & Transparenz: Ich danke der Thüringer Tourismus GmbH, die unsere recht kurzfristig geplante Wanderung auf die Schnelle mit zwei ThüringenCards für das Wildkatzendorf und die Wartburg unterstützt hat. Meine Meinung und Berichterstattung bleiben davon unbeeinflusst! Werbelinks sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet. Wenn du auf einen dieser Provisions-Links (Affiliate-Links) klickst und über diesen Link einkaufst, erhält HappyHiker eine geringe Provision. Für dich fallen dabei keine Extra-Kosten an. Weitere Infos …

Schreibe einen Kommentar