Über den Jägersteig von Dollnstein nach Eichstätt

Der Jägersteig bei Dollnstein ist ein wilder, fast alpiner Bergwanderweg im Naturpark Altmühltal. Für uns war der „leichte Klettersteig“ der Auftakt einer 4-Tages-Wanderung. Und der fiel nach tagelangen Regenfällen anstrengender und abenteuerlicher aus als wir dachten.

Aufstieg am Galgenäcker in Dollnstein
Aufstieg am Galgenäcker in Dollnstein

Der Jägersteig – seit Jahren zieht es uns immer wieder in den Naturpark Altmühltal, doch diesen einzigartigen und durchaus anspruchsvollen Pfad mussten wir bislang immer auslassen. Nach Corona-bedingten Verschiebungen war es zu Fronleichnam dann endlich so weit: der leichte Klettersteig sollte der Auftakt unserer 4-Tages-Tour auf dem Wallfahrerweg sein, bei der wir von Dollnstein aus über Eichstätt, das Anlautertal und Greding bis zum Kloster Plankstetten wandern wollen.

Unser Startort Dollnstein ist von München aus mit der Regionalbahn in gut 90 Minuten erreicht. Ab Nürnberg kommt Ihr sogar noch ein wenig schneller ins Altmühltal. Kurz nach neun Uhr starten wir dann vom Bahnhaltepunkt aus – bei ziemlich trübem Wetter – Richtung Urdonautal.

Felsen und Trockenrasen im Urdonautal bei Dollnstein
Felsen, Trockenrasen und Nebeldunst im Urdonautal

Vom Bahnsteig sind es gut 300 Meter bis zur Antoniuskapelle, wo wir auf die Schlaufe 11 des Altmühltal Panoramawegs treffen. Der Schlaufenweg führt uns zur Sonnenleiten hinauf und über wacholderbestandenen Trockenrasen (heute eher „Nassrasen“). Am Waldrand wechseln wir auf den Rundwanderweg 7 und laufen hinab zum Dollnsteiner Weiher.

Jägersteig bei Dollnstein: Wilder, fast alpiner Steig im Naturpark Altmühltal

Beginn des Jägersteigs im Naturwaldreservat Beixenhart
Am Beginn des Jägersteigs

Gegenüber vom Wanderparkplatz am Dollnsteiner Weiher (in manchen Karten auch als Groppenhofer Weiher verzeichnet) beginnt der Beixenhart Talweg. Wenige Meter weiter – nun sind wir schon rund eine Stunde unterwegs – erreichen wir dann auch den Beginn des Jägersteigs. Laut Infotafel ist der „Jägersteig-Höhenweg“ wohl 2,4 km lang. Die Gehzeit für den Rundweg (also inklusive Rückweg über den Beixenhart Talweg) soll demnach rund zwei bis drei Stunden betragen.

Laut GPS-Track ist der Jägersteig zwar eher gut 3 km lang, aber zeitlich sollte das passen. Wir zögern trotzdem noch ein wenig, denn schon der Weg über die Sonnenleiten war nach tagelangen Regenfällen ziemlich glitschig.

Der Jägersteig im Naturwaldreservat Beixenhart
Der Jägersteig führt durch das Naturwaldreservat Beixenhart

Als sich dann aber sogar eine Familie mit zwei kleinen Kindern auf den Weg macht, gibt es auch für uns kein Halten mehr. Und das, obwohl die Warnhinweise der Infotafel – auf der sogar die Rufnummer der Bergwacht angegeben ist – ziemlich eindeutig sind:

  • Begehen Sie den Steig nur mit festem Schuhwerk, Trittsicherheit und ausreichend Kondition!
  • Verlassen Sie auf keinen Fall den markierten Pfad!
  • Begehen Sie den Steig nicht bei Gewitter, Sturm, Schnee und Eis!
  • Planen Sie ausreichend Zeit zum Begehen ein!

Nach Gewitter und Sturm sieht es heute nicht aus. Es ist halt nass, aber unsere Trailrunning-Schuhe haben ja ganz gute Sohlen. Im schlimmsten Fall können wir nach 1/3 des Wegs über einen Zwischenabstieg immer noch abbrechen.

Also folgen wir der rot-weißen Wegmarkierung, die uns durch das Naturwaldreservat Beixenhart führt. Der Einstieg ist einfacher als befürchtet. Durch das schwüle Wetter kommen wir im Aufstieg zwar schnell ins Schwitzen, doch die Schwierigkeiten des schmalen Pfads halten sich durchaus in Grenzen.

Natürlich ist es bei den heutigen Verhältnissen mal ein wenig rutschig. Aber bis zum Zwischenausstieg ist die kniffligste Felspassage sogar durch eine Holzleiter gesichert. Die ist zwar auch etwas glitschig, aber insgesamt passt das und so entscheiden wir schließlich, doch den gesamten Jägersteig zu laufen.

Felsentor am Jägersteig im Altmühltal
Das erste Felsentor am Jägersteig

Über die Groppenhofer Leite geht es weiter bergauf durch bizarre Dolomitfelsen und Kalkrippen. Bis zum höchsten Punkt des Steigs am „Sommerfelsen“ (480 m ü. NHN), den wir bereits nach einer guten Dreiviertelstunde erreichen, halten sich die Kraxeleinlagen aber durchaus in Grenzen.

Wenig später mehren sich dann aber die Schwierigkeiten – jetzt häufen sich knackige An- und Abstiege mit heftigen Rutschpartien, bei denen heute kaum Halt zu finden ist. Allerdings häufen sich nun auch eindrucksvolle Felsdurchgänge wie ein Felsentor, durch dessen schmalen Spalt der Jägersteig führt.

Liste   

Information
Schaltfläche oder Kartenelement anklicken um weitere Informationen anzuzeigen.
Lf Hiker | E.Pointal contributor

Naturpark Altmühltal (4 Tage)   

Profil

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Keine Höhendaten
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimale Höhe: Keine Daten
Maximale Höhe: Keine Daten
Höhenmeter (aufwärts): Keine Daten
Höhenmeter (abwärts): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Beschreibung

Naturpark Altmühltal

Jägersteig bei Dollnstein   

Profil

50 100 150 200 5 10 15 Entfernung (km) Höhe (m)
Keine Höhendaten
Name: Keine Daten
Entfernung: Keine Daten
Minimale Höhe: Keine Daten
Maximale Höhe: Keine Daten
Höhenmeter (aufwärts): Keine Daten
Höhenmeter (abwärts): Keine Daten
Dauer: Keine Daten

Beschreibung

Jägersteig bei Dollnstein

Jägersteig bei Dollnstein: (K)ein „leichter Klettersteig“ zum Wandern

Aussicht vom Jägersteig im Altmühltal
Aussicht vom Jägersteig ins Urdonautal

Bei Normalverhältnissen wird der Jägersteig als einfacher Klettersteig im Schwierigkeitsgrad A bewertet. Echte Kletterer sind hier aber meist doch etwas enttäuscht, denn im Grunde ist der Jägersteig eher ein wilder und anspruchsvoller Bergwanderweg, bei dem die Klettersteigausrüstung getrost daheim bleiben kann.

Bei Nässe oder feuchter Witterung ist aber insbesondere der Abschnitt an der Rieder Leite mehr als anspruchsvoll. Hier folgen Passagen, die schon bei gutem Wetter den vollen Körpereinsatz fordern. Mit Händen und Füßen meistern wir heute die abschüssigen und matschigen Auf- und Abstiege. Hier und da ist auch ein wenig Improvisationstalent gefragt: Ab in die Hocke und runterrutschen lautet dann unser Rezept!

Auf dem Jägersteig an der Rieder Leite im Altmühltal
Kurz Verschnaufen an der Rieder Leite

Die heftigsten Stellen sind aber glücklicherweise mit Drahtseilen versichert. So kommen wir auch gut über die „schwierigste“ Passage des Jägersteigs, einen steilen Wurzelanstieg. Und ganz ehrlich: Ohne Stahlseil wäre uns der anschließende Abstieg auf der gegenüberliegenden Seite wohl kaum gelungen.

Zumindest umgestürzte Bäume, die am Jägersteig wohl auch keine Seltenheit sind, bleiben uns heute erspart. Drahtseile sichern die letzten kniffligen Stellen und schließlich hangeln wir uns an Holzgeländern herunter, um die letzten wurzeligen Passagen und Felsstufen zu bewältigen.

Auf dem Jägersteig durch das Naturwaldreservat Beixenhart
„Du, da geht’s ganz schön steil rauf …“

Nach satten drei Stunden erreichen wir das Felsentor Beixenstein am Ende des Jägersteigs. An dieser von der Urdonau geschaffenen Höhlenruine fanden Archäologen übrigens hervorragend erhaltene Faustkeile aus Jurahornsteinen, die aus der Zeit des Neandertalers stammen (Mittelpaläolithikum).

Auch wir sehen nun aus wie Höhlenmenschen aus der Steinzeit: durchgeschwitzt und komplett verdreckt. An einer Pfütze säubern wir uns notdürftig und dann geht’s auch schon weiter. Schließlich haben wird gerade einmal sieben unserer knapp 24 Kilometer langen Tagesetappe geschafft.

Das Felsentor Beixenstein am Ende des Jägersteigs
Das Felsentor Beixenstein am Ende des Jägersteigs

Das Naturwaldreservat Beixenhart

Logo Bayerische Staatsforsten mit Buchenblatt

Das 54,3 ha große Naturwaldreservat Beixenhart liegt südlich von Dollnstein an der Groppenhofer und Rieder Leite. Auf den felsigen Kalksteinhängen im Wellheimer Trockental soll wieder ein Buchenurwald entstehen. Deshalb gibt es in diesem Waldgebiet seit 1978 außer Jagd sowie Verkehrssicherungs- und Waldschutzmaßnahmen auch keine menschlichen Eingriffe mehr.

Das ist auch auf dem Jägersteig zu spüren, der trittsichere Wanderer durch das Reservat führt. Abgestorbene oder umgestürzte Bäume sind keine Seltenheit und so erfordern meist nicht nur Felsengen und steile Anstiege die ein oder andere Kletterpartie, sondern auch das Totholz.

Felsensteig in Konstein: Ein Klettersteig reicht uns dann doch für heute …

Über die Felder nach Konstein
Über die Felder nach Konstein

Auf dem Amper-Altmühl-Radweg wandern wir Richtung Konstein, wo wir erst einmal unsere Wasserflaschen auffüllen wollen. Der in der Karte eingezeichnete Gasthof ist aber längst Vergangenheit und der Brunnen am ehemaligen Bahnhof der Strecke Dollnstein–Rennertshofen sieht auch nicht gerade vertrauenerweckend aus. Also fragen wir in der Nachbarschaft, ob man uns die Flaschen füllen kann. Keine schlechte Idee, denn im Brunnen baden wohl oft die Hunde.

Konstein ist bekannt für den Dohlenfelsen, einen Kletterfelsen mit 35 Meter hohen Wänden. Eigentlich wollten wir hier auf dem Felsensteig (Markierung Rot) weiterwandern. Von diesem Steig aus kann man nämlich gut die Kletterstellen des drahtseilversicherten Oberlandsteigs sehen (Markierung Blau, nur mit Klettersteigausrüstung). Aber es ist schon reichlich spät und die Rutschpartie auf dem Jägersteig reicht uns auch fürs Erste.

Auf dem Rundwanderweg Wellheim 4 bei Konstein
Auf dem Rundwanderweg Wellheim 4 bei Konstein

Kurzentschlossen wandern wir deshalb auf dem „Rundwanderweg Wellheim 4“ (grüne 4 auf gelbem Grund) zum Kletterheim Aicha. Der nette Waldweg führt uns zwar auch hinauf in das Gebiet des Oberlandsteigs, doch von Konsteins Kletterwelt bekommen wir auf dieser Variante leider gar nichts mit.

Am Kletterheim erreichen wir den schließlich Wallfahrerweg, dem wir nun bis Eichstätt folgen. Jetzt heißt es langsam mal Gas geben, denn inzwischen ist es schon vier Uhr nachmittags und wir haben gerade einmal die Hälfte unseres Tagespensums geschafft.

Auf den breiten Forstwegen des Wallfahrerwegs geht es nun flotter weiter
Auf den Forstwegen des Wallfahrerwegs geht es nun flotter voran

Der 130 Kilometer lange Wallfahrerweg verläuft übrigens von der Wallfahrtskirche St. Sebastian bei Breitenbrunn bis zur Wallfahrtsbasilika in Wemding. Nach einem kurzen Anstieg auf Waldwegen führt er uns nun ohne weitere Steigungen über breite Forstwege, so dass wir endlich flotter vorankommen.

Spät am Ziel: Ein letztes Auf und Ab bis zum Barock-Juwel Eichstätt

Die Kapelle auf dem 500 Meter hohen Frauenberg über Eichstätt
Die Frauenbergkapelle

Einmal voll im Trab verpassen wir nach gut sieben Kilometer glatt den Abzweig zum Bahnhof Eichstätt. Also müssen wir wieder ein Stück den Hang hoch, um durch den Tunnel nach Wasserzell zu gelangen. Wir durchqueren den Eichstätter Ortsteil, passieren die Kirche der Vierzehn Nothelfer und laufen entlang der Bahnlinie weiter.

Dann geht es noch einmal steil hinauf. Über Trockenrasenhänge erreichen wir auf schmalem Pfad die Frauenbergkapelle hoch über Eichstätt. Das Wetter ist inzwischen vom Feinsten und so können wir den fantastischen Blick vom 500 Meter hohen Frauenberg auf die Bischofsstadt, die Willibaldsburg und das Kloster Rebdorf so richtig genießen.

Der letzte Aufstieg: Auf dem Wallfahrerweg zur Frauenbergkapelle
Der letzte Aufstieg: Der Wallfahrerweg vor der Frauenbergkapelle

Über einen schönen Pfad steigen wir schließlich nach Eichstätt hinab. Auf der Spitalbrücke kommen wir noch an der Prelle vorbei. Der Schandkorb diente im Mittelalter der Bäckertaufe. Waren Semmeln oder Brot zu leicht, kam der Bäcker zur Strafe in den Käfig und wurde mehrmals unter Wasser getaucht.

Am Dom Mariä Himmelfahrt (leider geschlossen) und dem Bischöflichen Palais vorbei geht es schließlich zu unserer Unterkunft im Hotel Sonne, das wir nach rund 24 Kilometern gegen halb acht erreichen.

Abstieg auf dem Wallfahrerweg hinab nach Eichstätt
Kaum zu glauben: Es geht endlich hinab nach Eichstätt

Fazit

Der Auftakt unserer 4-Tages-Wanderung im Naturpark Altmühltal war lang, anstrengend und ein bisschen abenteuerlicher als geplant. Der wilde Jägersteig ist in dieser Region sicher einzigartig und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Bei derart nassem Untergrund würden wir von dieser Tour allerdings abraten.

Bei besserem Wetter werden wir diesen traumhaften Steig aber sicher noch einmal angehen. Und dann steht im Urdonautal sicher auch noch einmal der Felsensteig auf dem Programm, den wir dieses Mal ja ausgelassen haben.

Linktipp

Werbung & Transparenz: Ich danke Frau Baumgärtner vom Informationszentrum Naturpark Altmühltal, die unsere Wanderung mit kostenlosen Übernachtungen in Eichstätt, Emsing und Greding unterstützt hat. Meine Meinung und Berichterstattung bleiben davon unbeeinflusst! Weitere Infos …

Schreibe einen Kommentar

Do not steal my content!