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Malerweg – Von Stadt Wehlen bis Hohnstein (Etappe 2)

Auf der zweiten Malerweg-Etappe geht es erst steil bergauf zur Bastei, und dann steil bergab in den Amselgrund. Der Hockstein bietet später einen fantastischen Blick auf Hohnstein, das Tagesziel unserer Wanderung im Elbsandsteingebirge, doch dazwischen liegt noch das Polenztal.

Malerweg - Das Wehlied am Torbogen des ehemaligen Ratskellers in Stadt Wehlen

Malerweg – Das Wehlied am Torbogen des Ratskeller

Du sonniges Wehlen, du Perle der Schweiz.
Du liebliches Städtchen mit eigenem Reiz.
Du bist für mich alt, doch stets wieder neu.
Du sonniges Wehlen, dir halt ich die Treu!“

Diese Zeilen aus dem Wehlied prangen weit sichtbar am Torbogen des ehemaligen Wehlener Ratskellers. Gestern, nach unserer ersten und dem anschließenden Sonnenbad am Elbufer – passten die Worte von Hede Willecke. Heute wirken sie allerdings eher wie eine platte Lüge: Draußen lockt trister Nieselregen und in unserem Zimmer im Schützenhaus hat es gerade einmal 11 Grad, da wir die etwas abenteuerlich wirkende Heizung unserer Unterkunft über die Nacht lieber ausgeschaltet haben.

Auf zum Malerweg-Highlight Bastei

Nach einem guten Frühstück zwischen kultigem DDR-Geschirr und Kunst des englischen Malers und Hostel-Eigentümers Christopher H. Simpson geht es früh los in Richtung Bastei. Die Felsformation zwischen dem Kurort Rathen und Stadt Wehlen zählt schließlich zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Sächsischen Schweiz und da kann es nicht schaden, vor den zahlreichen Busgesellschaften vor Ort zu sein.

Malerweg - Blick von der Wehlsteinaussicht in den Wehlgrund

Malerweg – Blick von der Wehlsteinaussicht in den Wehlgrund

Der Malerweg führt uns zunächst am Elbufer entlang zum östlichen Ortsende von Stadt Wehlen und dann hinauf zum Steinernen Tisch, einem Rastplatz, der 1710 für ein Jagdessen errichtet wurde. Im Nieselregen wirkt das Ganze allerdings wenig einladend und da die gleichnamige Waldgaststätte bereits im Mai 2012 geschlossen hat, geht es auch gleich weiter zur Bastei.

Das wohl berühmteste Wahrzeichen der Region liegt 193 Meter über der Elbe und bietet bei gutem Wetter eine phantastische Aussicht. Genauer gesagt bietet die Bastei gleich mehrere phantastische Aussichten. Wer etwas in die Kartendarstellung unserer Wanderetappe herein zoomt, der sieht auch genau, wo sich die einzelnen Aussichtspunkte befinden.

Malerweg - Blick auf die Basteibrücke und das Felsentor Neurathen

Malerweg – Blick auf die Basteibrücke und das Felsentor Neurathen

Von Stadt Wehlen kommend erreicht man links der Basteistraße zunächst die Wehlsteinaussicht. Ein paar Meter weiter sollte man unbedingt am Basteihotel stoppen und die 2006 im historischen Teil des Gebäudes eröffnete Infostelle Schweizerhaus besichtigen. Die kleine Ausstellung vermittelt einen guten Eindruck davon, wie Künstler die Sächsische Schweiz für sich und ihre Werke entdeckt haben.

Wir haben uns nach der Ausstellung erst einmal im gegenüberliegenden Panoramarestaurant aufgewärmt. Nach einem Glas Glühwein hatte es dann sogar aufgehört zu regnen. Kurz hinter dem Panoramarestaurant folgten nun rechter Hand die (derzeit wegen Arbeiten zur Sicherung des Basteifelsens zumindest teilweise gesperrte) Basteiaussicht hoch über der Elbe und links des Malerwegs die Ferdinandaussicht mit einem der schönsten Blicke auf die Basteibrücke, in deren Mitte sich eine weitere Aussichtsplattform anschließt.

Besichtigung der Felsenburg Neurathen

Malerweg - Blick von der Tiedgeaussicht auf die Elbe

Malerweg – Blick von der Tiedgeaussicht auf die Elbe

Am Ende der Basteibrücke kündigt das Felsentor Neurathen bereits die gleichnamige Felsenburg auf dem östlichen Felsriff der Bastei an. Die Besichtigung der früher von Raubrittern genutzten Burganlage kostet zwei Euro, die angesichts der schönen Aussichtsplattformen gut angelegt sind.

Die Felsenburg Neurathen wurde vermutlich schon im 11. Jahrhundert begründet. Erstmals urkundlich erwähnt wird die 1982-84 rekonstruierte Anlage aber erst im Jahr 1261. Der aussichtsreiche Rundweg über Eisenbrücken und Stahltreppen zum Schutz der noch vorhandenen mittelalterlicher Stufen bietet einen guten Eindruck von der Größe der Felsenburg und endet ein wenig unterhalb des Eingangs.

Malerweg - Die Felsenburg Neurathen mit Zisterne und Überresten der Felsgemächer

Malerweg – Die Felsenburg Neurathen mit Zisterne und Überresten der Felsgemächer

Ein paar Meter weiter folgen rechter Hand des Malerwegs schließlich noch die  Aussichten am Kanapee und Tiedgestein, wo sich bei unserer Wanderung – zum ersten und einzigen Mal auf der zweiten Etappe – sogar kurz die Sonne sehen ließ.

Durch den Amselgrund zum Hockstein

Malerweg - Wer den Amselfall mit mehr Wasser sehen will, muss 30 Cent zahlen

Malerweg – Wer den Amselfall mit mehr Wasser sehen will, muss 30 Cent zahlen

Über zahlreiche Stufen geht es nun hinunter zur Felsenbühne Rathen, wo in den Sommermonaten Winnetou und Old Shatterhand zu sehen sind, und dann an der linken Uferseite am Amselsee vorbei. Kurz bevor der Malerweg zum Amselfall hin wieder stärker ansteigt, bietet sich links ein Zugang zu den Schwedenlöchern an. Angesichts des mäßigen Wetters verzichten wir allerdings auf diesen Abstecher und kehren stattdessen noch einmal an der Amselfallbaude ein.

Ende Oktober glich der Amselfall eher einem kleinen Rinnsal. Gegen 30 Cent drehen die Wirtsleute allerdings für ein paar Sekunden das Wasser auf, und dann rauscht es hier schon genau so wie man sich das vorstellt. Nach einer kurzen Besichtigung der Infostelle Amselfallbaude geht es über Treppen nach Rathewalde hinauf und dann weiter über offene Felder und leider auch ein kurzes Stück an einer mehrspurigen Straße entlang in Richtung Hockstein.

Malerweg - Blick von Hockstein hinunter ins Polenztal

Malerweg – Blick von Hockstein hinunter ins Polenztal

Der Malerweg verläuft nun ohne weitere Anstiege durch Mischwald und so erreichen wir den Hocksteinfelsen doch recht unvermittelt. Umso erstaunlicher ist dann der Blick hinab ins Polenztal. Auch die Burg Hohnstein, unser heutiges Tagesziel haben wir nun schon greifbar nah vor Augen. Das imposante Gemäuer liegt allerdings genau auf der anderen Talseite. Also heißt es Absteigen und zwar über eine Stiege durch die wirklich sehr schöne Wolfsschlucht des Hocksteinfelsens.

Malerweg - Durch die Wolfsschlucht erfolgt der Abstieg vom Hockstein ins Polenztal

Malerweg – Durch die Wolfsschlucht erfolgt der Abstieg vom Hockstein ins Polenztal

Unten angekommen gönnen wir uns im Gasthaus Polenztal erst einmal ein schönes Stück Kuchen, eine sächsische Eierschecke, bevor wir den letzten Etappenanstieg in Angriff nehmen.

Burg Hohnstein und der Kasper

Malerweg - Hohnsteiner Kasper in der Traditionsstätte Hohnsteiner Handpuppenspiel

Malerweg – Hohnsteiner Kasper in der Traditionsstätte Hohnsteiner Handpuppenspiel

Der Weg hinauf nach Hohnstein führt uns zunächst zum „Tyrgarten“, dem 1756 aufgelassenen Bärengarten unterhalb der Burg. Hier zweigt der Malerweg nach rechts ab, während wir uns links halten und nach Hohnstein hinein laufen. Schräg gegenüber vom Rathaus des Ortes besuchen wir schließlich noch die Touristeninformation Hohnstein.

Im ersten Stock des Gebäudes ist nämlich die Traditionsstätte Hohnsteiner Handpuppenspiel untergebracht. Die kleine Ausstellung  widmet sich Max Jacob, der in den 20er Jahren die Hohnsteiner Puppenspiele begründete, mit seinem Hohnsteiner Kasper später auf internationale Gastspielreisen ging und sogar zahlreiche Filmproduktionen folgen ließ.

Malerweg - Blick auf die Burg Hohnstein vom Hockstein aus

Malerweg – Blick auf die Burg Hohnstein vom Hockstein aus

Nach dem Besuch der Ausstellung geht es weiter zur Burg Hohnstein hinauf. Die mittelalterliche Anlage wurde 1353  erstmals urkundlich erwähnt und erlebte bis heute eine wechselvolle Geschichte, über die auch ein kleines Burgmuseum berichtet. Ab 1443 war die Burg Hohnstein sächsisches Verwaltungs- und Justizamt der Region, Staatsgefängnis und Kurfürstliches Jagdschloss. Später diente sie als Männerkorrektionsanstalt und als Jugendgefängnis. Ab 1924 wurde Burg Hohnstein zur größten Jugendherberge Deutschlands mit 1.000 Übernachtungsplätzen.

Ab 1933 wurde die Anlage als „Schutzhaftlager“ für politische Gefangene, Reichsjugendherberge der Hitlerjugend, Kriegsgefangenenlager und später auch als Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene genutzt. Ab 1948 wurde sie schließlich wieder eine der größten Jugendherbergen im nun geteilten Deutschland und heute ist die Burg eine Besichtigungsstätte und Jugendhaus mit 160 Betten, in dem auch wir die Nacht verbringen, bevor es auf die dritte Etappe des geht.

Malerweg - Im Innenhof der Jugendherberge Burg Hohnstein

Malerweg – Im Innenhof der Jugendherberge Burg Hohnstein

Daten & Infos zur 2. Malerweg-Etappe

Start: Stadt Wehlen, Marktplatz
Ziel: Hohnstein, Bärengarten
Gesamtstrecke: 11,0 Kilometer
Höhenmeter: 491 Meter bergauf und 341 Meter bergab
Dauer: 4,5 Stunden reine Wanderzeit
Anreise: Mit der S-Bahn-Linie S1 des VVO von Bad Schandau oder Pirna / Dresden und dann mit der Fähre der OVPS übersetzen
Abreise: Bus 237 der OVPS ab Haltestelle „Hohnstein Eiche“ in Richtung Pirna oder Sebnitz
Wanderkarte: Große Karte der Sächsischen Schweiz 1:30000, Rolf Böhm
GPX-Daten: Kostenloser Download beim Tourismusverband Sächsische Schweiz
Wander-Broschüre: Per Post bestellen oder kostenloser Download beim Tourismusverband Sächsische Schweiz
Smartphone-App: Tourenplaner Sächsische & Böhmische Schweiz im Google Play Store  (Android) und ITunes App-Store (iPhone)
Unsere Variante: Malerweg-Umleitung über den Basteiweg kurz vor der Rathewalder Mühle (0,2 Kilometer zusätzlich)

10 Jahre Malerweg Rückblick

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von Thorsten Hoyer (ISBN 978-3-86686-263-0)
Wir hatten den Wanderführer aus dem Conrad Stein Verlag als E-Book im PDF-Format im Rucksack. Der kleine Führer von Thorsten Hoyer beschreibt den Streckenverlauf des Malerwegs und die Sehenswürdigkeiten vor Ort recht genau. Was wir vermisst haben: Ab und an – etwa an der Bastei – wären zusätzliche Detailkarten und genauere Infos zu den verschiedenen Aussichtspunkten sinnvoll. Zudem war der Wanderführer aus dem Jahr 2010 hier und da nicht mehr ganz aktuell – eine aktualisierte Neuauflage ist für Mai 2017 bereits geplant.

Weitere Beiträge zum Malerweg

Linktipp

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Anmerkung: Ich danke Herrn Kunzelmann von der Burg Hohnstein, der uns in der Jugendherberge ein Doppelzimmer mit Frühstück kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst! Einige Produkt-Verlinkungen auf dieser Seite sind sogenannte Affiliate-Links für die HappyHiker eine geringe Provision erhält, falls Du einen dieser Artikel darüber kaufst. Für dich fallen dabei keine Extra-Kosten an, mir hilft es bei der Kostendeckung meines Blogs.

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4 Kommentare

  1. Schöne Bilder bei denen Erinnerungen hochkommen! Wir haben allerdings nicht in der Burg übernachtet sondern im Hotel gegenüber… die Burg an sich ist aber schon sehenswert!

    Liebe Grüße aus Limburg,

    Jörg

  2. Als wäre man dabei gewesen 🙂 Super schöner Artikel! Ich war dieses Jahr leider „nur“ an den Schrammsteinen. Aber da war es schon überwältigend 🙂

  3. In der Sächsischen Schweiz gibt es kein schlechtes Wetter. Eure Bilder sind der beste Beweis dafür, dass erst recht bei Nebel eine mystische Stimmung aufkommt, die das Gebirge so einzigartig macht. Schöner Bericht! Meine allererste Langstreckenwanderung bin ich ebenfalls auf dem Malerweg durch die Sächsische Schweiz gewandert und seitdem immer mal wieder. Es lohnt sich wirklich, den Weg dorthin auf sich zu nehmen: http://www.thebackpacker.de/durch-die-sachsische-schweiz-tag-1/

    Bin schon sehr auf Euer Resümee gespannt.

    Viele Grüße
    Sven

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