Wandertouren planen: Digitale Tools für perfekte Routen

Fernwanderwege verlangen nach guter Vorbereitung. Denn wer Wandertouren planen kann, genießt unvergessliche Naturerlebnisse ohne böse Überraschungen. Bei uns hat sich dabei eine systematische Vorgehensweise mit Offline-Karten und Breadcrumb-Navigation bewährt.

Früher reichte eine gute Wanderkarte und ein Reiseführer. Wer heute Wandertouren planen möchte, greift hingegen zu digitalen Tools. Die wesentlichen Vorteile: Du kannst deine Routen präzise planen, Höhenprofile analysieren und wichtige Punkte wie Wasserquellen oder Unterkünfte exakt verorten. Zudem lassen sich die Daten auf verschiedene Geräte übertragen und auch ohne Internetverbindung nutzen.

Besonders bei mehrtägigen Touren ist eine gründliche Planung unverzichtbar. Nichts ist ärgerlicher, als nach einem anstrengenden Wandertag festzustellen, dass der nächste Campingplatz geschlossen hat oder das einzige Restaurant im Ort ausgerechnet heute Ruhetag hat.

GPX-Tracks: Die digitale Grundlage deiner Wanderroute

Die Basis jeder zuverlässigen Tourenplanung ist ein guter GPX-Track. Willst du Wandertouren planen, solltest du dir diesen direkt von der offiziellen Homepage des Wanderweges besorgen. Nutze zusätzlich auch andere Quellen wie die Online-Plattform Waymarked Trails, die sehr exakte Tracks aus der OpenStreetMap zum Download anbietet.

Allerdings sind nicht alle Tracks von Waymarked Trails sofort einsatzbereit. Oft brauchen sie eine kleine Überarbeitung, weil Teilstrecken falsch miteinander verbunden sind. Hier kommt RouteConverter ins Spiel – ein kostenloses Tool für Windows, Linux und Mac zur Bearbeitung und Optimierung von GPX-Dateien am PC.

Wandertouren planen: Waymarked Trails erlaubt den Download von GPX-Tracks, hier zum Moselsteig.
Waymarked Trails: Wer Wandertouren planen will, findet hier GPX-Tracks aus OpenStreetMaps-Daten

Tipp: Vergleiche verschiedene GPX-Tracks des gleichen Weges. Größere Abweichungen zwischen den Tracks deuten auf veraltete Daten und Unstimmigkeiten hin – ein wichtiger Hinweis, der dich vor unliebsamen Umwegen und bösen Überraschungen bewahrt.

Wir hatten beispielsweise für den Saar-Hunsrück-Steig einen völlig veralteten GPX-Track von der Website des Weges geladen, der uns durch die Baumleichen der Borkenkäfer-geplagten Wälder führte. Der Weg wurde längst umgeleitet, doch der Track-Anbieter hatte auf seiner Website nur die Tracks der Einzeletappen aktualisiert.

Wandertouren planen: Baumleichen auf dem Saar-Hunsrück-Steig
Wandertouren planen: Der richtige GPX-Track hätte uns die Kletterei über Baumleichen auf dem Saar-Hunsrück-Steig erspart

RouteConverter: Wandertouren planen am PC spart Zeit

Wandertouren planen: RouteConverter erlaubt das bearbeiten von GPX-Tracks am PC
Wandertouren planen: RouteConverter erlaubt das Bearbeiten von GPX-Tracks

RouteConverter unterstützt über 100 Dateiformate und erkennt automatisch, welches Format du verwendest. Die Benutzeroberfläche ermöglicht direktes Bearbeiten durch Drag-and-Drop und bietet unbegrenzte Rückgängig-Funktionen. Neben der Nutzung von Online-Karten ermöglicht die Software auch die Darstellung der topografischen Karten von Openandromaps. Das Tool läuft auf Windows, Mac und Linux – ideal für die Planung am heimischen Schreibtisch. Mit RouteConverter kannst du:

  • GPX-Tracks säubern und optimieren
  • Mehrere Tracks vergleichen und zusammenführen
  • Wegpunkte (POIs) hinzufügen und verwalten
  • Große Tracks in einzelne Etappen aufteilen
  • Höhendaten ergänzen und Höhenprofile analysieren

Ein besonderes Augenmerk solltest du auf die berechneten Höhenwerte einer Etappe legen. Erfahrungsgemäß fallen diese in RouteConverter etwa 20 Prozent höher aus als in anderen Apps. Plane also deine Tagesetappen entsprechend.

Unterkünfte: Die strategischen Ankerpunkte deiner Tour

Bei der Etappenplanung kannst du dich natürlich an die übliche Einteilung des jeweiligen Wanderweges halten. Allerdings entspricht die oft nicht der individuellen Leistungsfähigkeit und berücksichtigt auch keine Sonderwünsche, wie etwa die Übernachtung im Zelt.

Trekkingplatz Römerlager Perl im Saarschleifenland
Trekkingplätze: Die individuellste Art zu Wandern erfordert eine vorherige Buchung

Eine individuelle Etappenplanung steht und fällt mit den verfügbaren Übernachtungsmöglichkeiten. Wer Wandertouren planen will, sollte Camping- und Trekkingplätze, Schutzhütten und Unterkünfte entlang der Route recherchieren. Überprüfe deren aktuelle Verfügbarkeit im Internet und speichere sie als Wegpunkte (POIs) in deiner GPX-Datei. Teile anschließend deinen Track in realistisch zu bewältigende Tagesetappen ein. Berücksichtige dabei:

  • Deine Fitness und Erfahrung
  • Die Schwierigkeit des Geländes
  • Höhenmeter (Auf- und Abstiege)
  • Verfügbare Wasserquellen
  • Wetterbedingungen und Jahreszeit

Tipp: Ein Ruhetag oder ein Puffertag für schlechtes Wetter kann Gold wert sein. Plane lieber eine Etappe weniger als eine zu viel.

Und noch ein Tipp: Verwendest du die App Locus Map mit den Karten und POIs von OpenAndroMaps, erleichtert dir dies die Suche nach offiziellen Campingplätzen und Unterkünften ungemein. Relevante POIs kannst du in der App in eine eigene POI-Liste übernehmen und dann als GPX-Datei exportieren.

Wandertouren planen: So berechnest du realistische Gehzeiten

Für die Planung deiner Wandertouren benötigst du realistische Zeitangaben. Der Deutsche Alpenverein (DAV) und die DIN-Norm 33466 empfehlen folgende Faustregeln zur Berechnung von Gehzeiten:

Nackte Füße
  • Horizontalentfernung: Pro Stunde legt ein durchschnittlicher Wanderer etwa vier km zurück.
  • Vertikalentfernung: Pro Stunde schaffst du etwa 300 hm im Aufstieg oder 500 hm im Abstieg.
  • Berechnungsformel: Berechne die Werte für die Horizontalentfernung und die Vertikalentfernung, halbiere den kleineren Wert und addiere ihn zum größeren Wert.
  • Erfahrungswerte: Passe diese Standardwerte an deine persönliche Fitness und Ausrüstung an.
  • Pausenplanung: Plane zusätzlich mindestens 15 Minuten Pause pro 2 Stunden Gehzeit ein.

Beispiel: Deine 20 km lange Etappe hat 900 hm im Aufstieg und 750 hm im Abstieg. Für die Horizontalentfernung (20 km ÷ 4 km/h) veranschlagst du somit 5 Stunden Gehzeit, für die Vertikalentfernung (900 m ÷ 300 m/h im Aufstieg und 750 m ÷ 500 m/h im Abstieg) nochmals 4,5 Stunden. Der kleinere Wert (4,5 Stunden) wird halbiert und zum größeren (5 Stunden) addiert. Die reine Gehzeit ohne Pausen liegt dann bei 7 Stunden und 15 Minuten (4,5 h ÷ 2 + 5 h = 7,25 h).

Tipp: Das ist dir zu kompliziert? Wir veranschlagen einfach 3 km/h reine Gehzeit, was in der Regel – und auch für dieses Beispiel – sehr gut passt.

POIs und Wegpunkte: Deine digitale Orientierungshilfe unterwegs

Sobald deine Etappenplanung steht, ergänze weitere wichtige Wegpunkte: Wasserquellen, Schutzhütten, Sehenswürdigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und medizinische Versorgungspunkte. Viele dieser Daten kannst du über das Online-Tool Overpass Turbo aus der OpenStreetMap exportieren oder ebenfalls aus Locus Map übernehmen.

Wandertouren planen: POIs für Trittenheim an der Mosel in Locus Map Classic
Wandertouren planen mit POIs: Wegpunkte dienen dir unterwegs als digitaler Reiseführer

Prüfe anschließend, ob deine Etappenplanung genügend Zeit für die Hauptsehenswürdigkeiten einräumt. Prüfe zudem, wo du zwingend Proviant oder Wasser aufnehmen musst, weil es auf den folgenden Teilabschnitten keine Möglichkeiten dazu gibt. Besonders wichtig sind für die Feinplanung:

  • Zuverlässige Wasserquellen (Brunnen, Friedhöfe etc.)
  • Einkaufsmöglichkeiten für Proviant
  • Apotheken und medizinische Versorgung
  • Notunterkünfte und Ausstiegspunkte für Notfälle
  • Besondere Aussichtspunkte oder Sehenswürdigkeiten

Tipp: Je mehr relevante POIs du in deiner Planung berücksichtigst, desto flexibler kannst du unterwegs auf unvorhergesehene Situationen reagieren.

Reservierungen: Die finale Phase beim Wandertouren planen

Sichere dir deine Unterkünfte durch rechtzeitige Buchungen. Bei Campingplätzen empfiehlt sich eine Anfrage, ob für den geplanten Zeitraum ausreichend Platz verfügbar ist. In der Hauptsaison oder bei beliebten Fernwanderwegen ist eine Reservierung oft unerlässlich. Denke auch daran:

  • Öffnungszeiten von Hütten und Campingplätzen zu prüfen
  • Nach Voranmeldepflicht und Stornierungsoptionen zu fragen
  • Die Zahlungsmöglichkeiten vor Ort zu klären

Tipp: Immer häufiger greift die Unsitte um sich, dass sich Unterkünfte erst ab zwei oder drei Übernachtungen buchen lassen und selbst Campingplätze eine verbindliche Reservierung mit Anzahlung fordern. Spontanes Reisen und Wandern wird damit zur Unmöglichkeit. Stehen dir Alternativen zur Verfügung, dann wähle Campingplätze, die eine spontane Anreise bieten, und Unterkünfte, die auch kurzfristig noch eine kostenlose Stornierung erlauben. Das bietet dir deutlich mehr Flexibilität bei deiner Etappenplanung.

Locus Map: Wanderatlas und Reiseführer für unterwegs

Exportiere deine aufbereitete GPX-Datei und die POIs in eine Navigations-App für Wanderer auf deinem Smartphone. Wir nutzen unterwegs schon seit Jahren die App Locus Map auf dem Android-Smartphone. Diese leistungsstarke App für Wanderer, Bergsteiger und Radler bietet deutlich mehr Funktionen als die meisten Karten-Apps. Als Alternative empfehlen sich die App OsmAnd, Organic Maps und Gaia GPS, die ähnliche Funktionen bieten und auch für iPhone-Nutzer verfügbar sind.

Wandertouren planen: Wanderweg mit POIs in Locus Map Classic
Locus Map: Wir verwenden noch die Classic-Version, deren Pflege in Kürze eingestellt wird.

Der entscheidende Vorteil für alle, die Wandertouren planen: Diese Apps ermöglichen die Nutzung von Offline-Karten. Wir verwenden in Locus Map topografische Karten von OpenAndroMaps. Diese Karten lassen sich unterwegs ohne Internetverbindung nutzen – das ist gold wert in abgelegenen Regionen mit miserablem Mobilfunkempfang oder im Ausland, wo Roaming-Gebühren drohen. Locus Map, das sich auch in der Free-Version problemlos nutzen lässt, bietet zudem zahlreiche Funktionen speziell für Wanderer:

  • Import und Export verschiedener Dateiformate (GPX, KML, etc.)
  • Aufzeichnung von Tracks mit detaillierten Statistiken
  • Anzeige von Höhenprofilen und Steigungsgraden
  • Verwaltung von Wegpunkten und POIs
  • Kompass und GPS-Navigation

Speichere vor deiner Tour alle für das Zielgebiet relevanten Karten inklusive POIs und Themes von OpenAndroMaps in Locus Map. Am einfachsten geht dies über den Chrome-Browser des Smartphones. Die Karten lassen sich damit per Mausklick installieren. Die Themes bestimmen das Aussehen der Karte – für Wanderer empfiehlt sich das Elevate-Theme, das Wanderwege, Höhenlinien und wichtige POIs besonders deutlich hervorhebt.

Tipp: Um Akku zu sparen, aktiviere unterwegs den Flugmodus und nutze GPS nur, wenn du deine Position am Smartphone prüfen musst. Die Offline-Karten funktionieren auch ohne aktive Internetverbindung einwandfrei.

OpenAndroMaps: Topografische Karten mit präzisen Höhenlinien

Wandertouren planen: Die Startseite der Website OpenAndroMaps.org
OpenAndroMaps: Kostenlose Rad- und Wander-Vektorkarten für Smartphones

Die kostenlosen Karten von Openandromaps basieren auf OpenStreetMap-Daten, wurden aber speziell für Outdoor-Aktivitäten optimiert und enthalten viele wichtige Geländemerkmale und Wegdetails, die in Standard-Karten oft fehlen. Sie bieten dir:

  • Präzise Höhenlinien im 20-m-Abstand (teilweise sogar 10-m-Abstand)
  • Detaillierte Darstellung von Wanderwegen mit Markierungen
  • Unterscheidung verschiedener Wegtypen (Pfade, Forststraßen etc.)
  • Hervorhebung von Schutzhütten, Wasserstellen und anderer POIs
  • Landschaftselemente wie Felsformationen, Klippen oder Bachläufe

Die Openandromaps-Karten lassen sich unterwegs ohne Internetverbindung nutzen. Für grenzüberschreitende Wanderungen kannst du die Karten zudem nach Ländern oder Regionen herunterladen.

Garmin Smartwatch: Nützliche Navigation am Handgelenk

Garmin Instinct 2X-Solar - Breadcrumb-Navigation
Garmin Instinct 2X-Solar mit Breadcrumb-Navigation

Nutzt du eine Smartwatch? Dann importiere alle Etappen als einzelne GPX-Tracks in Garmin Connect oder eine vergleichbare Plattform. Lösche zuvor alte Strecken von deiner Uhr, um Speicherplatz freizugeben. Die entsprechende Importfunktion findest du dann in Garmin Connect unter „Training und Planung, Strecken“. Wichtig: Aktiviere die Importoption „Abbiegungsbenachrichtigungen“, damit die Uhr dich unterwegs rechtzeitig auf Richtungswechsel hinweist. Und: Vergiss nicht abschließend auf „An Gerät senden“ zu klicken!

Für uns liegt der Vorteil einer Outdoor-Smartwatch auf der Hand: Du musst nicht ständig dein Smartphone zücken, um zu prüfen, ob du noch auf dem richtigen Weg bist. Ein kurzer Blick aufs Handgelenk genügt. Die sogenannte Breadcrumb- oder Brotkrumen-Navigation kommt ohne Kartendarstellung aus, zeigt aber zuverlässig, ob du dich noch auf der geplanten Route befindest. Bei Abweichungen warnt die Uhr durch Vibrationsalarm.

Garmin Instinct 2X Solar - Eigene Strecken für den Albsteig
Garmin Instinct 2X Solar: Eigene GPX-Tracks als Strecken für den Albsteig

Zudem verbraucht die Navigation auf der Uhr deutlich weniger Strom als ein permanent eingeschaltetes Smartphone-Display. Moderne Outdoor-Smartwatches wie die Garmin Instinct 2X Solar bieten eine beeindruckende Akkulaufzeit von mehreren Wochen im Alltagsbetrieb und über eine Woche bei täglicher Navigation.

Tipp: Für mehrtägige Wanderungen lohnt es sich, einen eigenen Energiesparmodus auf der Smartwatch einzurichten. Wir schalten dazu die Herzfrequenz- und Schlafüberwachung ab, verzichten auf zusätzliche Satellitensysteme wie Glonass und Galileo, reduzieren die Displayhelligkeit und schränken Benachrichtigungen ein. So verlängerst du die Akkulaufzeit erheblich.

Fazit: Wandertouren planen für entspanntes Wandern

Vergiss bei der Planung deiner Wanderung nicht die An- und Abreise, besonders bei Streckenwanderungen. Recherchiere frühzeitig Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und speichere sie offline oder im Kalender deines Smartphones ab. Apps wie DB Navigator zeigen auch lokale Buslinien an. Beachte dabei die oft eingeschränkten Betriebszeiten in ländlichen Gebieten, besonders an Wochenenden und Feiertagen.

Die dreistufige Strategie – erst Wandertouren planen am PC, dann Offline-Karten auf dem Smartphone nutzen und schließlich per Smartwatch navigieren – bietet dir maximale Sicherheit bei gleichzeitig hoher Flexibilität. Die digitale Vorbereitung zahlt sich durch ein entspannteres Erlebnis mehrfach aus. Statt unterwegs nach Wegen, Sehenswürdigkeiten oder Unterkünften zu suchen, genießt du die Natur. Und selbst bei Wetterumschwung oder nachlassender Kondition hast du immer einen Plan B.

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